PV-Überschuss ist der Teil deines Solarstroms, den das Haus in dem Moment nicht verbraucht und der sonst ins Netz geht. Weil die Einspeisevergütung für Neuanlagen deutlich unter dem Arbeitspreis für Netzstrom liegt, lohnt es sich, diesen Überschuss selbst zu verwerten — und Warmwasser ist dafür der naheliegendste Speicher im Haus. Drei Wege stehen zur Wahl: Heizstab, Wärmepumpe oder Batterie. Sie unterscheiden sich um den Faktor drei bis vier in der Effizienz und um ein Vielfaches im Preis. Die passenden Wechselrichter und Speicherkomponenten hast du dabei schon im Haus.
Heizstab: die einfachste Lösung
Ein Heizstab wird in die vorhandene Muffe des Warmwasserspeichers geschraubt und wandelt Strom direkt in Wärme. Aus 1 kWh Strom wird 1 kWh Wärme — mehr geht physikalisch nicht, weniger aber auch nicht. Für Einfamilienhäuser sind zwei Größen üblich: ein Einschraubheizkörper mit 3 kW an 230 V für kleine Anlagen und Modelle mit 9 kW an 400 V, wenn regelmäßig größere Überschüsse anfallen. Der Reiz liegt in den Kosten: Ein Heizstab kostet einen Bruchteil eines Speichers und braucht keinen Kältekreis, keine Genehmigung und keine Aufstellfläche.
Wärmepumpe: der effizienteste Weg
Dieselbe Kilowattstunde Strom liefert in einer Wärmepumpe je nach Arbeitszahl das Drei- bis Vierfache an Wärme, weil sie den Großteil der Energie aus der Umgebungsluft oder dem Erdreich holt. Ein Wandgerät mit integriertem 9-kW-Heizstab zeigt, wie beides zusammenkommt: Die Wärmepumpe deckt den Normalbetrieb, der Heizstab springt bei Spitzenbedarf und für die Legionellenschaltung ein. Wer neu baut oder ohnehin die Heizung tauscht, holt den Effizienzvorteil hier zum Nulltarif mit — Geräte findest du bei den Wärmepumpen, die Zahlen dazu in unserem Beitrag Wärmepumpe Kosten realistisch kalkulieren.
Batteriespeicher: die flexibelste, aber teuerste Kilowattstunde
Die Batterie ist der einzige Weg, mit dem Überschuss auch Licht, Kühlschrank und Wallbox zu versorgen statt nur den Speicher aufzuheizen. Dafür zahlst du zweifach: einmal die Anschaffung pro Kilowattstunde Kapazität, einmal den Round-Trip-Wirkungsgrad, den die Hersteller im Datenblatt meist mit 90 bis 95 Prozent angeben. Wärme im Wasserspeicher ist die deutlich billigere Speicherform — sie lässt sich nur eben nicht zurück in Strom verwandeln. Wie groß eine Batterie sinnvollerweise ausfällt, steht in Batteriespeicher dimensionieren, was sie beim Stromausfall wirklich leistet in Notstrom oder Ersatzstrom.
Die Reihenfolge in der Praxis
In fast allen Bestandsgebäuden lautet sie: erst der Heizstab, dann die Batterie. Der Grund ist einfach — der Heizstab kostet wenig, ist an einem halben Tag montiert und nimmt genau die Mittagsspitze weg, die sonst zum niedrigsten Preis ins Netz fließt. Erst wenn Warmwasser zuverlässig aus PV kommt und immer noch Überschuss übrig bleibt, rechnet sich die nächste Stufe. Wer die Anlage noch plant, sollte die Dachleistung vorher ehrlich rechnen: PV-Anlage 2026 — wie viel kWp brauchst du wirklich.
Speichergröße und Legionellen
Ein Faustwert aus der Praxis: rund 200 Liter Speichervolumen für einen Drei- bis Vier-Personen-Haushalt, wie beim Warmwasserspeicher mit 200 Litern. Größere Speicher puffern mehr Überschuss, kühlen aber auch stärker aus. Beim Thema Legionellen gilt: Als Großanlagen im Sinne der Trinkwasserverordnung zählen Anlagen mit mehr als 400 Litern Speichervolumen oder mehr als 3 Litern Inhalt in der Leitung zwischen Erwärmer und Entnahmestelle. Klassische Einfamilienhäuser liegen darunter und unterliegen nicht der Untersuchungspflicht — trotzdem gehört eine regelmäßige Aufheizung auf 60 Grad zum guten Betrieb, gerade wenn die Anlage tagsüber nur lauwarm gefahren wird. Passende Geräte stehen bei den Elektrospeichern.
Steuerung: ohne Messung kein Überschuss
Damit der Heizstab nur mit echtem Überschuss läuft und nicht mit teurem Netzstrom, braucht es eine Messung am Netzanschlusspunkt und eine stufenlose Ansteuerung. Einfache Ein-Aus-Relais schalten bei 3 kW Heizstableistung und 1,5 kW Überschuss den Rest aus dem Netz dazu — das macht die Rechnung kaputt. Regelungen mit stufenloser Leistungsanpassung folgen dem Überschuss dagegen minutengenau. Die passenden Speicher und Zubehörteile findest du im Bereich Heizung Speicher.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Heizstab auch ohne Batterie?
Ja, und genau das ist der übliche Einstieg. Er nutzt die Mittagsspitze, ohne dass zusätzliche Speicherverluste entstehen.
3 kW oder 9 kW Heizstab?
Die Heizstableistung sollte zur typischen Überschussleistung passen. Bei einer 10-kWp-Anlage sind 3 kW an 230 V meist ausreichend, bei größeren Dächern mit regelmäßig hohem Mittagsüberschuss ist die 400-V-Variante sinnvoll.
Kann ich den Heizstab selbst einbauen?
Der hydraulische Einbau ist Sache des Heizungsbauers, der elektrische Anschluss Sache einer Elektrofachkraft. Bei 400 V und Festanschluss führt daran kein Weg vorbei.
Was ist besser: Warmwasser oder Wallbox mit Überschuss laden?
Wenn das Auto tagsüber am Haus steht, ist die Wallbox die wertvollere Senke, weil sie den Überschuss direkt gegen Kraftstoff- oder Netzstromkosten rechnet. Steht das Auto tagsüber woanders, gewinnt das Warmwasser.
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