RJ45-Stecker feldkonfektionierbar oder crimpen: Was hält Cat 6A?

Ein feldkonfektionierbarer RJ45-Stecker ist ein Netzwerkstecker, der ohne Crimpzange direkt auf der Baustelle an ein Kabel montiert wird: Die Adern werden in einen Schneidklemmblock gelegt, beim Schließen des Gehäuses durchtrennen Kontaktmesser die Isolierung. Der klassische Crimpstecker dagegen wird mit einer Zange verpresst. Beide Wege führen zum Stecker, taugen aber nicht für jedes Kabel und jede Anwendung gleich gut.

Bei Cat 6A mit 10 Gbit/s ist der Spielraum klein. Ein Stecker, der bei 1 Gbit/s noch unauffällig läuft, kann bei 10 Gbit/s Fehler produzieren. Die Wahl des Steckers hängt deshalb vor allem vom Kabeltyp ab.

Zwei Wege zum Stecker

Beim Crimpen werden die Adern in der richtigen Reihenfolge in den Steckerkörper geschoben und mit einer Crimpzange für RJ45 verpresst. Die Kontakte schneiden dabei in die Adern. Das geht schnell und die Stecker sind günstig, aber jeder Fehler beim Einführen ist endgültig: Ein falsch gecrimpter Stecker wird abgeschnitten und ersetzt.

Beim feldkonfektionierbaren Stecker legst Du die Adern in einen Klemmblock, prüfst die Reihenfolge und schließt dann das Gehäuse. Die Adernführung ist geordnet, der Schirm wird über eine Schelle großflächig kontaktiert, und die meisten Modelle lassen sich mehrfach öffnen. Der Stecker kostet mehr, spart aber Werkzeug und senkt die Fehlerquote deutlich.

Für die Verbindung zwischen Dose und Gerät gibt es eine dritte Lösung, die meist die beste ist: das fertig konfektionierte und geprüfte Patchkabel. Selbst konfektioniert wird nur dort, wo ein fertiges Kabel nicht passt.

Verlegekabel oder Patchkabel: der Leitertyp entscheidet

Netzwerkkabel gibt es mit massivem Leiter und mit Litze. Verlegekabel für die feste Installation hat massive Adern, bei Cat 6A meist AWG 23. Patchkabel hat Litzenadern, damit es sich oft biegen lässt.

Hier liegt die häufigste Fehlerquelle. Viele einfache Crimpstecker sind für Litze gebaut: Ihre Kontakte dringen zwischen die feinen Drähte ein. An einem massiven Leiter drücken sie nur seitlich an und verlieren mit der Zeit den Kontakt. Das Ergebnis sind Verbindungen, die beim Test durchgehen und Wochen später aussetzen. Für massive Leiter nur Stecker verwenden, die ausdrücklich dafür freigegeben sind; bei feldkonfektionierbaren Steckern ist das die Regel.

Ebenso wichtig sind Aderdurchmesser und Manteldurchmesser. Cat-6A-Kabel sind dicker als Cat-5e-Kabel. Passen Ader oder Mantel nicht in den im Datenblatt angegebenen Bereich, sitzt die Ader nicht sauber oder die Zugentlastung greift nicht.

Stecker direkt am Verlegekabel: wann das zulässig ist

In der strukturierten Verkabelung endet das Verlegekabel an einer Netzwerkdose im Raum und an einem Patchfeld im Technikraum. Die Geräte werden über Patchkabel angeschlossen. Dieser Aufbau hat sich bewährt, weil die feste Strecke unberührt bleibt, während Geräte getauscht werden.

Es gibt aber Geräte, an denen keine Dose sinnvoll ist: Kameras unter der Decke, WLAN-Access-Points, Displays, Zutrittsleser. Für diesen Fall kennen die Verkabelungsnormen eine eigene Variante, den sogenannten MPTL (Modular Plug Terminated Link): Das Verlegekabel endet auf der einen Seite am Patchfeld und auf der anderen Seite direkt in einem Stecker. Genau dafür sind feldkonfektionierbare Stecker für massive Leiter gemacht.

Farbcode: T568A oder T568B

Die Belegung folgt einem von zwei Schemata. Bei T568B lautet die Reihenfolge von Pin 1 bis 8: weiß-orange, orange, weiß-grün, blau, weiß-blau, grün, weiß-braun, braun. T568A tauscht das orange und das grüne Paar. Elektrisch sind beide gleichwertig.

Entscheidend ist, dass beide Enden einer Strecke dasselbe Schema haben. Ein Kabel mit T568A auf der einen und T568B auf der anderen Seite ist ein gekreuztes Kabel. Am besten legst Du für das ganze Gebäude ein Schema fest und hältst es an allen Netzwerkdosen, Patchfeldern und Steckern durch. Bei feldkonfektionierbaren Steckern ist die Belegung farbig auf dem Klemmblock aufgedruckt.

Abisolieren, Entdrillen, Schirm auflegen

Die Verdrillung der Paare ist das, was ein Cat-6A-Kabel schnell macht. Jeder Millimeter, der entdrillt wird, verschlechtert die Übertragung. Als Faustregel gilt: höchstens rund 13 mm entdrillen, bei Cat 6A so wenig wie möglich. Den Mantel nur so weit entfernen, wie der Stecker es verlangt, und die Paarschirmfolie erst direkt vor dem Klemmblock abschneiden.

Bei geschirmtem Kabel muss der Schirm rundum mit dem Steckergehäuse verbunden sein. Ein geschirmter Cat-6A-Stecker hat dafür eine Metallschelle, die das Schirmgeflecht über den ganzen Umfang fasst. Das Beilaufdraht-Ende allein reicht nicht. Ein nicht aufgelegter Schirm wirkt wie eine Antenne und verschlechtert die Störfestigkeit gegenüber einem ungeschirmten Kabel.

Beim Schließen des Gehäuses die Adern nicht unter Zug setzen. Die Zugentlastung am Mantel muss greifen, sonst trägt der Klemmblock das Gewicht des Kabels. Das ist vor allem bei Access Points und Kameras wichtig, die an der Decke hängen.

Prüfen: Kabeltester ist nicht Zertifizierung

Nach jeder Konfektionierung gehört die Strecke geprüft. Ein Twisted-Pair-Kabeltester zeigt, ob alle acht Adern durchgehen und richtig belegt sind, und erkennt vertauschte Paare, Kurzschlüsse und Unterbrechungen. Das ist die Mindestprüfung.

Ob eine Strecke 10 Gbit/s sicher überträgt, sagt ein einfacher Tester aber nicht. Dafür misst ein Zertifizierungsgerät Werte wie Nahnebensprechen und Rückflussdämpfung gegen die Grenzwerte der Kategorie. Bei einer neuen Gebäudeverkabelung, bei der die Strecken bis zum Netzwerkschrank 10 Gbit/s tragen sollen, ist diese Messung der einzige Nachweis.

Häufige Fragen zu RJ45-Steckern

Kann ich Verlegekabel mit einem normalen Crimpstecker konfektionieren?
Nur mit Steckern, die ausdrücklich für massive Leiter freigegeben sind. Stecker für Litze halten an massiven Adern nicht dauerhaft.

T568A oder T568B, was ist besser?
Keines. Beide übertragen gleich gut. Wichtig ist, dass beide Enden einer Strecke und am besten das ganze Gebäude dasselbe Schema nutzen.

Schafft ein feldkonfektionierbarer Stecker 10 Gbit/s?
Ja, wenn er für Cat 6A ausgelegt ist, zum Kabel passt und sauber montiert wurde. Nachweisen lässt sich das nur mit einer Zertifizierungsmessung.

Darf ich eine Kamera direkt mit Stecker am Verlegekabel anschließen?
Ja. Die Verkabelungsnormen sehen dafür den MPTL vor: Verlegekabel mit Patchfeld auf der einen und Stecker auf der anderen Seite.

Wie weit darf ich die Adernpaare entdrillen?
So wenig wie möglich, als Faustregel höchstens rund 13 mm. Bei Cat 6A ist jeder zusätzliche Millimeter ein Risiko für die Übertragung.

Vorausgehend Neben