Vakuumieren heißt: Der Kältekreis wird vor der Inbetriebnahme mit einer Vakuumpumpe leergesaugt, bis Luft und Feuchtigkeit praktisch vollständig heraus sind. Erst danach werden die Ventile am Außengerät geöffnet und das Kältemittel strömt in die Leitungen. Wer diesen Schritt abkürzt, baut Feuchtigkeit, Säure und Verdichterschaden gleich mit ein - sichtbar wird das oft erst in der zweiten oder dritten Saison.
Warum Luft und Feuchtigkeit die eigentlichen Gegner sind
Im Kältekreis hat nur Kältemittel und Kältemaschinenöl etwas zu suchen. Bleibt Luft in den Leitungen, sammelt sie sich als nicht kondensierbares Gas im Verflüssiger. Der Hochdruck steigt, die Leistung fällt, der Verdichter arbeitet gegen einen Druck, für den er nicht ausgelegt wurde.
Feuchtigkeit ist noch unangenehmer. Wasser reagiert mit dem Esteröl moderner Anlagen zu Säuren. Diese Säuren greifen Lack, Wicklung und Lager im Verdichter an. Dazu kommt die Gefahr, dass Restwasser am Expansionsventil vereist und den Kreislauf blockiert. Beides zeigt sich nicht sofort, sondern als schleichender Leistungsverlust und später als Totalausfall.
Der Punkt, an dem beides verschwindet, ist ein tiefes Vakuum. Unter dem Tripelpunkt von Wasser - rund 6,1 mbar, umgerechnet etwa 4.600 Mikron - geht Restwasser direkt in Dampf über und lässt sich absaugen. Deshalb wird nicht kurz angesaugt, sondern gezielt bis unter einen definierten Wert evakuiert.
Erst Druckprobe, dann Vakuum
Die Reihenfolge ist keine Geschmacksfrage. Zuerst wird die fertig verlegte Rohrleitung auf Festigkeit und Dichtheit geprüft, danach wird evakuiert. Der Grund ist einfach: Ein Leck findest Du im Überdruck zuverlässig, im Vakuum dagegen nur indirekt.
Für die Druckprobe wird trockener Stickstoff verwendet, niemals Kältemittel. Das absichtliche Freisetzen fluorierter Treibhausgase ist nach der F-Gas-Verordnung (EU) 2024/573 verboten. Den Prüfdruck gibt der Hersteller vor, er steht auf dem Typenschild und in der Montageanleitung - hier wird nichts geschätzt. Die DIN EN 378-2 fordert für Kälteanlagen eine Festigkeits- und eine Dichtheitsprüfung, bevor die Anlage in Betrieb geht.
Bördelverbindungen sind dabei die häufigste Fehlerquelle. Ein sauber gezogener Bördel mit gleichmäßiger Wandstärke und dem richtigen Anzugsdrehmoment hält dicht, ein schief gedrückter nicht. Wer regelmäßig montiert, arbeitet deshalb nicht mit dem Handbördler aus dem Baumarkt, sondern mit einem Akku-Bördelgerät, das den Kegel reproduzierbar formt. Details zur Rohrauswahl stehen im Beitrag Split-Klimaanlage kaufen.
Wie tief muss das Vakuum sein?
Als Zielwert hat sich in der Praxis 500 Mikron etabliert, das entspricht 0,67 mbar. Manche Hersteller fordern bei R32-Anlagen ausdrücklich niedrigere Werte. Maßgeblich ist immer die Montageanleitung des konkreten Geräts, nicht der Erfahrungswert vom letzten Auftrag.
Wichtig ist die Einheit. Ein Manometer der Monteurhilfe zeigt im Vakuumbereich viel zu grob an - dort sieht ein Kreis bei 5.000 Mikron genauso aus wie bei 500. Ein Vakuum, das Du nicht messen kannst, ist kein Nachweis. Ein digitales Vakuummeter direkt an der Anlage, nicht an der Pumpe, ist deshalb Pflichtausrüstung.
Ebenso entscheidend ist die Pumpe selbst. Zweistufige Rotationsschieberpumpen erreichen die nötigen Endwerte, einstufige Modelle oft nicht. Für R32 und andere leicht entzündliche Kältemittel der Gruppe A2L brauchst Du zusätzlich eine dafür freigegebene Vakuumpumpe. Ein Standardgerät ist hier keine Sparoption, sondern ein Sicherheitsrisiko.
Wie lange dauert das Vakuumieren?
Eine feste Minutenzahl gibt es nicht, und genau daran scheitern viele Montagen. Die Dauer hängt ab von Leitungslänge und Durchmesser, vom Saugvermögen der Pumpe, vom Querschnitt der Schläuche, von der Umgebungstemperatur und davon, wie feucht die Anlage beim Öffnen war.
Wer nach starrer Uhrzeit arbeitet, hört entweder zu früh auf oder verbrennt Zeit. Richtig ist: Das Vakuummeter entscheidet, nicht die Uhr. Bei einer kurzen Leitung mit trockenem System kann der Zielwert nach 20 bis 30 Minuten stehen, bei langen Leitungen oder feuchter Anlage dauert es deutlich länger.
Beschleunigen lässt sich das mit kurzen Schläuchen mit großem Querschnitt und einem direkten Anschluss statt langer Verlängerungen. Auch der Ölzustand zählt: Verbrauchtes, feuchtes Pumpenöl bremst massiv. Ein Wechsel mit frischem Vakuumpumpenöl vor größeren Aufträgen ist billiger als jede verlorene Stunde auf der Baustelle.
Die Halteprobe entscheidet
Ist der Zielwert erreicht, wird die Pumpe abgesperrt - nicht ausgeschaltet und offen gelassen, sonst zieht Pumpenöl zurück in die Anlage. Danach wird beobachtet.
Bleibt der Wert stabil oder steigt nur minimal, ist das System dicht und trocken. Steigt er langsam an und bleibt dann auf einem Niveau stehen, verdampft noch Restfeuchte - weiter evakuieren. Steigt er kontinuierlich bis zum Umgebungsdruck, hast Du ein Leck und musst zurück zur Druckprobe. Diese drei Verläufe unterscheiden zu können, ist der eigentliche Wert der Halteprobe.
Für die Lecksuche im laufenden Betrieb oder bei der Fehlersuche an Bestandsanlagen gehört ein elektronisches Lecksuchgerät zur Grundausstattung. Es findet Undichtigkeiten, die mit Schaumbildner an schwer zugänglichen Stellen nicht auffindbar sind.
Was rechtlich gilt
Arbeiten am Kältekreis von Anlagen mit fluorierten Treibhausgasen setzen einen Sachkundenachweis nach der Verordnung (EU) 2015/2067 voraus, in Deutschland umgesetzt über die Chemikalien-Klimaschutzverordnung. Das betrifft Befüllen, Entleeren, Instandhalten und die Inbetriebnahme - also genau die Schritte rund um Druckprobe und Vakuum.
Dazu kommen wiederkehrende Dichtheitskontrollen. Ihre Häufigkeit richtet sich nach dem CO2-Äquivalent der Füllmenge, die Schwelle beginnt bei 5 Tonnen CO2-Äquivalent. Kleine Single-Split-Geräte liegen oft darunter, größere Multisplit- und Gewerbeanlagen nicht. Was jährlich ansteht, steht im Beitrag Klimaanlage warten.
Für Endkunden heißt das nüchtern: Die Montage einer Split-Klimaanlage ist kein Heimwerkerprojekt. Vorbereitung, Kernbohrung, Konsole und Leitungsweg lassen sich planen, der Kältekreis gehört in fachkundige Hände. Das passende Klimatechnik-Sortiment und das Werkzeug dazu findest Du im Shop.
Häufige Fragen
Kann man das Vakuum durch Ausblasen mit Kältemittel ersetzen? Nein. Das absichtliche Freisetzen fluorierter Treibhausgase ist nach der F-Gas-Verordnung verboten und ersetzt technisch kein Vakuum, weil Feuchtigkeit im System bleibt.
Reicht die Monteurhilfe zur Vakuumkontrolle? Nein. Analoge Manometer lösen im Bereich unter 5.000 Mikron nicht ausreichend auf. Ein digitales Vakuummeter, angeschlossen an der Anlage statt an der Pumpe, ist die einzige belastbare Messung.
Welcher Wert gilt als dicht? Erreichter Zielwert nach Herstellerangabe, üblicherweise 500 Mikron, und ein stabiler Wert nach dem Absperren der Pumpe. Ein kontinuierlicher Anstieg bis Umgebungsdruck bedeutet Leck.
Warum eine eigene Pumpe für R32? R32 gehört zur Sicherheitsgruppe A2L und ist leicht entzündlich. Die Pumpe muss dafür freigegeben sein, sonst kann sie im Fehlerfall zur Zündquelle werden.
Wie oft muss das Pumpenöl gewechselt werden? Nach Herstellervorgabe und immer dann, wenn das Öl trüb oder milchig ist. Feuchtes Öl senkt das erreichbare Endvakuum spürbar.