Kondensat ist das Wasser, das an einem Klimagerät anfällt, wenn feuchte Raumluft am Verdampfer unter ihren Taupunkt abgekühlt wird. Der Wasserdampf schlägt sich an den kalten Lamellen nieder, läuft in die Kondensatwanne und muss von dort sicher abgeführt werden. Wird dieser Weg falsch geplant, tropft das Gerät nicht sofort - es tropft ein paar Wochen später, meistens in die Tapete.
Die Frage ist bei jeder Split-Klimaanlage dieselbe: Kommt das Wasser mit natürlichem Gefälle weg, oder braucht es eine Pumpe? Danach richtet sich die Leitungsführung, der Anschluss ans Abwasser und der Aufwand bei der Montage.
Wie viel Wasser fällt überhaupt an?
Die Menge hängt an der Luftfeuchte, nicht an der Gerätegröße allein. Bei 26 °C Raumtemperatur und 50 % relativer Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei rund 15 °C. Alles, was die Lamellen darunter abkühlen, wird zu Wasser.
Rechnerisch lässt sich das grob abschätzen: Von der Kühlleistung entfällt ein Teil auf die Entfeuchtung, die latente Leistung. Wenn von 3,5 kW Kühlleistung etwa 1 kW auf die Entfeuchtung geht, sind das bei einer Verdampfungsenthalpie von rund 2.450 kJ/kg etwa 1,5 Liter Kondensat pro Betriebsstunde. An einem schwülen Sommertag mit acht Stunden Laufzeit kommen so über zehn Liter zusammen - aus einem einzigen Innengerät.
Genau deshalb ist die Kondensatleitung kein Nebenschauplatz. Sie transportiert an heißen Tagen mehr Wasser als so mancher Waschbeckenablauf. Wie viel Kühlleistung Dein Raum überhaupt braucht, klärt der Beitrag Kühlleistung berechnen.
Erste Wahl: Gefälle statt Technik
Die einfachste Lösung ist immer die freie Ableitung im Gefälle. Kein Strom, kein Geräusch, kein Bauteil, das ausfallen kann. Als Richtwert gilt mindestens 1 % Gefälle, also 1 Zentimeter Höhenverlust je Meter Leitung. In der Praxis planst Du besser mit 2 %, weil sich Leitungen in Schellen setzen und Durchhänger bilden.
Wichtig ist ein durchgehendes Gefälle ohne Gegensteigung. Jede Stelle, an der die Leitung wieder nach oben läuft, wird zum stehenden Wassersack. Dort setzen sich Schmutz und Biofilm ab, bis die Leitung zuwächst. Ein Kondensatschlauch mit ausreichendem Innendurchmesser und sauberer Befestigung ist hier die halbe Miete.
Die Leitung sollte außerdem nicht dünner werden als der Wannenstutzen des Geräts. Reduzierungen sind ein klassischer Grund für Rückstau. Passendes Material findest Du im Klimatechnik-Zubehör.
Wenn kein Gefälle da ist: die Kondensatpumpe
In vielen Bestandsräumen fehlt schlicht die Höhe. Das Innengerät hängt knapp unter der Decke, der nächste Abwasseranschluss liegt drei Räume weiter oder höher. Dann übernimmt eine Kondensatpumpe die Förderung.
Es gibt zwei Bauformen. Kompakte Pumpen sitzen direkt im oder am Innengerät und sind praktisch unsichtbar. Tankpumpen werden abgesetzt montiert, etwa in einem Kanal oder Nebenraum, und arbeiten mit einem Schwimmerschalter. Für mehrere Geräte oder größere Fördermengen ist eine Kondensathebeanlage die passende Lösung.
Zwei Punkte entscheiden über die Auswahl: die benötigte Förderhöhe in Metern und die Fördermenge in Litern pro Stunde. Beides steht im Datenblatt der Pumpe und muss zur berechneten Kondensatmenge passen - mit Reserve, nicht auf Kante. Achte zusätzlich auf den Alarmkontakt: Gute Pumpen schalten bei Störung das Klimagerät ab, statt den Raum zu fluten.
Der dritte Punkt ist das Geräusch. Eine Pumpe im Schlafzimmer taktet nachts mit. Wenn die Aufstellung es zulässt, ist die abgesetzte Montage außerhalb des Aufenthaltsraums die ruhigere Variante.
Anschluss ans Abwasser: ohne Geruchsverschluss geht es nicht
Wird das Kondensat in die Hausentwässerung geleitet, braucht es einen Geruchsverschluss. Ohne Siphon steht die Kondensatleitung offen mit dem Abwassersystem in Verbindung, und die Kanalluft nimmt den kürzesten Weg ins Gerät und damit in den Raum. Die DIN 1986-100 regelt die Anforderungen an die Grundstücksentwässerung.
Für diesen Zweck gibt es fertige Lösungen wie den Kondensat-Siphoneinsatz, der sich in einen vorhandenen Ablauf einsetzen lässt. Bei sehr geringem Kondensatanfall kann der Siphon im Winter austrocknen - dann ist ein Modell mit Trockenverschluss oder eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll.
Ein direkter, dichter Anschluss an eine Abwasserleitung ohne freien Auslauf ist nicht in jedem Fall zulässig. Im Zweifel entscheidet der Fachbetrieb vor Ort anhand der Entwässerungssituation. Verbindungsmaterial findest Du unter Fittings.
Das Außengerät wird oft vergessen
Im Kühlbetrieb fällt am Außengerät kaum Wasser an. Im Heizbetrieb dreht sich das um: Dort arbeitet der Außenwärmetauscher als Verdampfer, vereist bei niedrigen Temperaturen und taut zyklisch ab. Das Abtauwasser läuft nach unten weg - und gefriert auf dem Gehweg, wenn niemand daran gedacht hat.
Bei Geräten, die im Winter heizen sollen, gehören deshalb eine Kondensatwanne mit Ablauf und je nach Aufstellort eine Wannenheizung zur Planung. Mehr dazu im Beitrag Klimaanlage im Heizbetrieb. Für die Aufstellung selbst sorgt eine Wandkonsole für den nötigen Abstand zum Boden, damit Abtauwasser und Laub abziehen können.
Typische Fehler, die später Geld kosten
Der häufigste Fehler ist die Gegensteigung in der Leitung. Der zweithäufigste ist ein zu enger Querschnitt, der dritte eine fehlende Reinigungsmöglichkeit. Kondensatleitungen setzen sich mit Staub und Biofilm zu - wer keine Öffnung zum Spülen vorsieht, muss später Verkleidungen aufschneiden.
Ebenfalls unterschätzt: die Dämmung. Eine kalte Kondensatleitung schwitzt selbst, wenn sie durch warme, feuchte Bereiche läuft. Dann tropft es außen an der Leitung, obwohl innen alles funktioniert.
Und schließlich die Wartung. Kondensatwanne, Ablauf und Pumpe gehören zur jährlichen Kontrolle - siehe Klimaanlage warten. Arbeiten am Kältekreis selbst sind ohnehin dem Kälteanlagenbauer mit Sachkundenachweis vorbehalten. Die Auswahl des Geräts klärt der Beitrag Split-Klimaanlage kaufen.
Häufige Fragen
Wie viel Gefälle braucht eine Kondensatleitung?
Mindestens 1 %, also 1 cm je Meter. Plane besser mit 2 %, weil sich Leitungen zwischen den Schellen durchbiegen. Entscheidend ist, dass das Gefälle durchgehend ist - eine einzige Gegensteigung reicht für einen Wassersack.
Warum riecht es aus dem Klimagerät?
Meist fehlt der Geruchsverschluss zur Abwasserleitung oder der vorhandene Siphon ist ausgetrocknet. Ein zweiter möglicher Grund ist eine verschmutzte Kondensatwanne, in der sich Biofilm gebildet hat.
Wie laut ist eine Kondensatpumpe?
Das hängt vom Modell und vom Einbauort ab. Die Werte stehen im Datenblatt. Im Schlafzimmer ist eine abgesetzt montierte Pumpe außerhalb des Raums oder eine Lösung mit natürlichem Gefälle die deutlich ruhigere Wahl.
Muss das Kondensat in die Kanalisation?
Nicht zwingend. Kondensat aus Klimageräten kann je nach örtlicher Situation auch versickert oder in ein Gefäß geleitet werden. Ein fester Anschluss an die Hausentwässerung braucht immer einen Geruchsverschluss und muss zur Entwässerungsplanung des Gebäudes passen.
Kann ich die Kondensatleitung selbst verlegen?
Die Leitungsführung ist handwerklich überschaubar, die Inbetriebnahme des Kältekreises nicht. Split-Geräte dürfen nur von Betrieben mit Sachkundenachweis nach der F-Gas-Verordnung befüllt und in Betrieb genommen werden.