Hausanschlusssicherung prüfen: Was tun bei Stromausfall?

Wenn im Haus alles dunkel bleibt, lautet die Frage oft: Hausanschlusssicherung prüfen - was tun bei Stromausfall? Der erste Impuls ist verständlich, aber der Hausanschlusskasten ist kein Ort für Eigenversuche. Entscheidend ist zunächst, ob der Ausfall nur Deine Anlage betrifft, das gesamte Gebäude oder sogar die Nachbarschaft. Mit einer sicheren Reihenfolge findest Du die Ursache schneller und weißt, wen Du anrufen musst.

Erst klären: Wo fällt der Strom aus?

Schau nicht zuerst in den Hausanschlusskasten, sondern auf die Umgebung. Brennt bei Nachbarn Licht? Funktioniert die Straßenbeleuchtung? Sind nur einzelne Räume, eine Etage oder das ganze Haus ohne Spannung? Diese Beobachtung trennt einen möglichen Netzausfall von einem Fehler in der eigenen Elektroinstallation.

Sind auch Nachbarhäuser betroffen, liegt die Ursache wahrscheinlich im öffentlichen Stromnetz. Dann meldest Du die Störung dem örtlichen Netzbetreiber. Der Stromlieferant ist dafür in der Regel nicht der richtige Ansprechpartner. Die Telefonnummer des Netzbetreibers steht häufig auf der letzten Stromrechnung oder ist über dessen Störungsdienst erreichbar.

Ist nur Dein Haus betroffen, gehst Du zum Zählerschrank beziehungsweise zur Unterverteilung. Dort darfst Du die für Nutzer vorgesehenen Schutzeinrichtungen kontrollieren: Leitungsschutzschalter, umgangssprachlich Sicherungsautomaten, und Fehlerstrom-Schutzschalter, kurz FI oder RCD. Verplombte Bereiche, Zählerfelder und der Hausanschlusskasten bleiben geschlossen.

Hausanschlusssicherung prüfen bei Stromausfall: Was ist erlaubt?

Die Hausanschlusssicherung sitzt im Hausanschlusskasten, oft kurz HAK genannt. Er befindet sich je nach Gebäude im Keller, Hauswirtschaftsraum, Technikraum oder an einer Außenwand. Hier endet das Netz des Netzbetreibers und die elektrische Anlage des Hauses beginnt technisch gesehen.

Die Sicherungen im HAK sind meist sogenannte NH-Sicherungen. Sie können hohe Ströme schalten und schützen die Anschlussleitung des Gebäudes. Der Kasten ist üblicherweise plombiert. Diese Plombe ist keine Formalität: Sie kennzeichnet einen Bereich, der nur durch den Netzbetreiber oder eine eingetragene Elektrofachkraft geöffnet werden darf.

Du darfst von außen prüfen, ob der Hausanschlusskasten offensichtlich beschädigt ist oder ob Brandgeruch, Verfärbungen, Knistergeräusche oder starke Erwärmung auffallen. Öffne ihn nicht, entferne keine Plombe und ziehe keine Sicherungseinsätze heraus. NH-Sicherungen können bei falscher Handhabung einen Lichtbogen verursachen. Das ist eine ernste Gefahr für Personen und die Anlage.

Auch wenn der HAK nicht verplombt wirkt: Daraus folgt nicht, dass Du ihn bedienen darfst. Die Zuständigkeit richtet sich nach den technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers und den Regeln für elektrische Anlagen. Im Zweifel gilt: Finger weg und Fachbetrieb oder Netzbetreiber verständigen.

So prüfst Du die Unterverteilung sicher

In der Unterverteilung kannst Du die Ursache häufig eingrenzen, ohne etwas zu demontieren. Arbeite trocken, mit ausreichendem Licht und ohne metallische Gegenstände in der Hand. Falls der Raum dunkel ist, nutze eine Taschenlampe statt Kerzen oder einer offenen Flamme.

Prüfe zuerst den FI-Schalter. Ein ausgelöster FI steht meist unten oder in einer Mittelstellung und lässt sich nicht einfach nach oben drücken. Schalte ihn zunächst vollständig nach unten und dann wieder nach oben. Bleibt er eingeschaltet, war möglicherweise ein einmaliger Fehler die Ursache. Fällt er sofort wieder, liegt weiterhin ein Fehlerstrom vor.

Danach kontrollierst Du die Leitungsschutzschalter. Ein ausgelöster Automat steht ebenfalls unten oder mittig. Schalte ihn erst ganz aus und dann wieder ein. Löst er erneut aus, lasse ihn ausgeschaltet. Wiederholtes Einschalten ist keine Fehlersuche und kann bei einem tatsächlichen Defekt Leitungen, Steckdosen oder angeschlossene Geräte zusätzlich belasten.

Wenn ein FI-Schalter immer wieder fällt, trennst Du die angeschlossenen Verbraucher vom Netz: Stecker ziehen, auch bei Waschmaschine, Geschirrspüler, Außensteckdosen, Ladegeräten und Geräten im Keller. Anschließend versuchst Du den FI erneut einzuschalten. Bleibt er drin, steckst Du die Geräte einzeln wieder ein. So lässt sich ein fehlerhaftes Gerät oft erkennen.

Bei fest angeschlossenen Verbrauchern wie Wärmepumpe, Durchlauferhitzer, Wallbox, Klimagerät oder Heizungsanlage endet die Fehlersuche für Laien. Diese Geräte dürfen nicht eigenmächtig abgeklemmt oder geöffnet werden. Ein Elektrofachbetrieb misst Isolationswiderstand, Fehlerstrom und Schutzleiterverbindung fachgerecht.

Was die Auslösung verrät

Ein einzelner ausgelöster Leitungsschutzschalter spricht oft für Überlast oder Kurzschluss in einem Stromkreis. Typisch ist etwa die Kombination aus Wasserkocher, Mikrowelle und Toaster an derselben Küchensteckdose. Auch ein beschädigtes Kabel oder ein defekter Verbraucher kann die Ursache sein.

Löst der FI aus, geht es um Fehlerströme gegen Erde. Feuchtigkeit ist ein häufiger Auslöser: Außenleuchten, Gartensteckdosen, Kellerbereiche, Waschmaschinen oder Geräte nach einem Wasserschaden kommen dann infrage. In modernen Anlagen nach DIN VDE 0100-410 schützen RCDs viele Steckdosenstromkreise mit einem Bemessungsdifferenzstrom von 30 mA. Das erhöht den Personenschutz, bedeutet aber auch, dass ein einzelnes fehlerhaftes Gerät mehrere Bereiche abschalten kann.

Bleiben alle Automaten und FI-Schalter eingeschaltet, aber das Haus ist dennoch spannungslos, ist ein Problem vor oder im Zählerbereich möglich. Dann kann eine Hausanschlusssicherung ausgelöst haben, ein Zählerfehler vorliegen oder die Netzversorgung unterbrochen sein. Das ist ein Fall für Netzbetreiber oder Elektrofachbetrieb, nicht für einen Sicherungstausch in Eigenregie.

Besondere Situation: Dreiphasiger Stromausfall

Viele Einfamilienhäuser werden mit drei Außenleitern versorgt. Fällt nur eine Phase aus, funktionieren einige Stromkreise noch, andere nicht. Das Licht im Flur kann dann brennen, während Herd, Wärmepumpe oder einzelne Steckdosen ohne Funktion sind. Bei Drehstromverbrauchern kann ein Phasenausfall zu Störungen führen.

Schalte auffällige leistungsstarke Geräte nicht mehrfach ein und aus. Besonders bei Wärmepumpen, Klimageräten, Motoren oder Werkstattmaschinen sollte ein Fachbetrieb prüfen, ob wirklich alle Phasen vorhanden sind. Ein fehlender Außenleiter kann im Zählerschrank, in der Hausanschlusssicherung oder im Netz liegen. Eine Messung gehört in fachkundige Hände.

Photovoltaik und Batteriespeicher ändern die Lage

Eine Photovoltaikanlage versorgt das Haus bei einem Netzausfall nicht automatisch weiter. Standardanlagen schalten aus Sicherheitsgründen ab, sobald das öffentliche Netz fehlt. Das verhindert eine ungewollte Rückeinspeisung und schützt Einsatzkräfte sowie Netzpersonal.

Nur Anlagen mit geplanter Ersatzstrom- oder Notstromfunktion können ausgewählte oder alle Stromkreise bei Netzausfall versorgen. Ob das bei Dir vorhanden ist, erkennst Du an der Anlagenplanung, dem Ersatzstromumschalter und den Herstellerunterlagen. Batterie vorhanden heißt also nicht automatisch: Strom bei Ausfall vorhanden.

Auch bei Ersatzstrom gilt: Nicht am Zählerschrank oder Hausanschluss arbeiten. Die Umschaltung zwischen Netz- und Ersatzbetrieb muss sicher verhindern, dass Spannung in das öffentliche Netz gelangt. Wenn die Ersatzstromversorgung nicht wie vorgesehen startet, ruf den Installationsbetrieb der Anlage an.

Wann Du sofort handeln musst

Bei verschmortem Geruch, Rauch, Funken, deutlich warmen Abdeckungen oder knisternden Geräuschen schaltest Du, sofern gefahrlos erreichbar, die Nutzer-Schutzeinrichtungen in der Unterverteilung aus. Halte Abstand zu beschädigten Teilen und verständige bei Brand- oder Rauchentwicklung den Notruf 112. Verwende kein Wasser bei einem elektrischen Brand.

Bei einem Stromausfall im Winter solltest Du außerdem Frostschäden im Blick behalten. Bleibt Heizung oder Wärmepumpe länger aus, schließe Fenster und Türen, um Wärme zu halten. Öffne Warmwasserhähne nicht dauerhaft. Bei längeren Ausfällen können sensible Bereiche wie unbeheizte Keller, Leitungen an Außenwänden oder Ferienhäuser besondere Aufmerksamkeit brauchen.

Diese Informationen helfen dem Fachbetrieb

Ein Elektriker oder Netzbetreiber kann schneller helfen, wenn Du präzise schilderst, was passiert ist. Notiere, ob Nachbarn betroffen sind, welche Schalter ausgelöst haben, ob der Fehler nach dem Einschalten sofort zurückkehrt und welche Geräte kurz zuvor liefen. Fotos der Unterverteilung sind hilfreich, solange Du nur die geschlossene Front und keine plombierten Bereiche dokumentierst.

Nenne auch Umbauten der letzten Zeit: neue Wallbox, Klimaanlage, Wärmepumpe, Gartenbeleuchtung, Küchenumbau oder Arbeiten an der Photovoltaik. Gerade bei Erweiterungen kann eine fehlerhafte Zuordnung von Stromkreisen oder eine beschädigte Leitung die Suche verkürzen.

Ein Stromausfall ist ärgerlich, aber keine Aufforderung, den Hausanschluss selbst zu öffnen. Prüfe die zugänglichen Schutzschalter systematisch, lass wiederholt auslösende Stromkreise ausgeschaltet und gib die richtigen Informationen weiter. Damit schützt Du Dich, Deine Anlage und denjenigen, der den Fehler anschließend fachgerecht behebt.

Vorausgehend Neben