Eine Kabelverschraubung ist ein Bauteil, das eine Leitung durch die Wand eines Gehäuses führt, sie dort festklemmt und die Öffnung gegen Staub und Wasser abdichtet. Sie übernimmt drei Aufgaben gleichzeitig: Abdichtung, Zugentlastung und mechanische Sicherung der Leitung. Die Anforderungen an Kabelverschraubungen für elektrische Installationen regelt DIN EN 62444.
In der Praxis wird die Verschraubung oft als Kleinteil behandelt, das man nach Gewindegröße aus der Kiste nimmt. Genau daran scheitert später die Schutzart des ganzen Gehäuses. Denn eine Abzweigdose mit IP65 bleibt nur dann IP65, wenn jede Einführung genauso dicht ist wie das Gehäuse selbst.
Metrisches Gewinde: M12 bis M63
Kabelverschraubungen haben heute ein metrisches Gewinde nach DIN EN 60423. Die üblichen Größen sind M12, M16, M20, M25, M32, M40, M50 und M63. Die Zahl gibt den Gewindedurchmesser in Millimetern an, nicht den Kabeldurchmesser. Eine M20-Verschraubung passt also in eine 20-mm-Bohrung oder in eine vorgeprägte M20-Ausbrechöffnung am Gehäuse.
In älteren Anlagen und bei Maschinen findest Du noch das PG-Gewinde nach DIN 40430, etwa PG9, PG11 oder PG13,5. PG und metrisch sind nicht kompatibel: Durchmesser und Steigung weichen voneinander ab. Eine metrische Verschraubung lässt sich in ein PG-Gewinde zwar ansetzen, dichtet aber nicht. Beim Austausch in Bestandsgehäusen deshalb immer erst das vorhandene Gewinde bestimmen und nicht nach Augenmaß kaufen. Das komplette Sortiment steht unter Kabelverschraubungen.
Der Klemmbereich entscheidet, nicht die Gewindegröße
Jede Kabelverschraubung hat einen Klemmbereich, also einen minimalen und maximalen Außendurchmesser der Leitung, den der Dichteinsatz sicher umschließt. Liegt die Leitung darunter, klemmt die Verschraubung nicht und dichtet nicht. Liegt sie darüber, lässt sich die Druckschraube nicht mehr sauber anziehen und der Dichteinsatz wird beschädigt.
Bevor Du eine Verschraubung auswählst, misst Du deshalb den Außendurchmesser der Leitung oder liest ihn im Datenblatt nach. Eine NYM-J 3 × 1,5 liegt je nach Hersteller bei rund 8 bis 9 mm, eine 5 × 2,5 deutlich darüber. Welche Leitung für welchen Stromkreis passt, steht in unserem Beitrag zu NYM-Querschnitten und Strombelastbarkeit. Die Klemmbereiche verschiedener Hersteller überschneiden sich, sind aber nicht identisch; zwei M20-Verschraubungen können unterschiedliche Leitungen aufnehmen.
Als grobe Orientierung: Eine Kabelverschraubung M20 deckt typische Installationsleitungen mit drei oder fünf Adern bei kleinen Querschnitten ab. Für dickere Leitungen oder Steuerleitungen mit vielen Adern ist eine Kabelverschraubung M25 die sichere Wahl. Verbindlich ist immer der Klemmbereich in der Herstellerangabe.
Schutzart: IP65, IP66 oder IP68
Die Schutzart nach DIN EN 60529 beschreibt, wie gut ein Gehäuse gegen Fremdkörper und Wasser geschützt ist. Die erste Ziffer steht für Berührungs- und Fremdkörperschutz, die zweite für Wasserschutz. IP65 bedeutet staubdicht und geschützt gegen Strahlwasser aus beliebiger Richtung. IP66 hält starkem Strahlwasser stand. IP68 steht für dauerndes Untertauchen unter Bedingungen, die der Hersteller festlegt, etwa eine bestimmte Tiefe und Zeit.
Für eine Abzweigdose im Keller oder unter dem Carportdach reicht in der Regel IP65. Im Außenbereich mit Stauwasser, an Pumpen, in Schächten und überall dort, wo Hochdruckreiniger im Spiel sind, gehört IP66 oder IP68 hin. Welche Schutzart draußen sinnvoll ist, beschreibt auch unser Beitrag Welche IP-Schutzart für Außenbeleuchtung. Entscheidend ist: Die Schutzart des Gehäuses gilt nur mit Verschraubungen derselben oder einer höheren Schutzart.
Gegenmutter, Blindstopfen und Druckausgleich
In einem Gehäuse mit Innengewinde wird die Verschraubung direkt eingeschraubt. In einer glatten Bohrung oder einer Ausbrechöffnung braucht sie eine Gegenmutter, die sie von innen festzieht. Die Gegenmutter muss zur Gewindegröße passen und wird fest, aber nicht mit Gewalt angezogen, sonst reißt bei Kunststoffgehäusen der Rand aus. Passende Muttern findest Du unter Gegenmuttern für Kabelverschraubungen.
Nicht belegte Öffnungen sind die häufigste Ursache für Wasser im Gehäuse. Eine ausgebrochene Öffnung ohne Verschraubung hebt die Schutzart vollständig auf. Sie wird mit einer Blindverschraubung oder einer Blindscheibe verschlossen, und zwar nicht provisorisch mit Klebeband.
Bei Gehäusen im Außenbereich, die zwischen Sonne und kalter Nacht wechseln, entsteht ein weiteres Problem: Die Luft im Inneren dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen. Ein vollständig dichtes Gehäuse saugt dabei über kleinste Undichtigkeiten Feuchtigkeit an, die als Kondensat zurückbleibt. Eine Kabelverschraubung mit Druckausgleich lässt Luft durch eine Membran austauschen, hält aber Wasser zurück.
Übergang von Wellrohr und Schutzschlauch
Wird die Leitung im Rohr oder Schutzschlauch bis ans Gehäuse geführt, reicht eine normale Kabelverschraubung nicht. Das Rohr endet sonst offen vor der Einführung, und Wasser läuft innen am Rohr entlang ins Gehäuse. Dafür gibt es eigene Übergänge, die das Rohr außen umschließen und abdichten, zu finden unter Wellschlauch-Verschraubungen. Wie das Rohr bis dorthin verlegt wird, steht in Leerrohr verlegen: M20 oder M25.
Material: Polyamid, Messing oder Edelstahl
Die meisten Verschraubungen in der Gebäudeinstallation bestehen aus Polyamid. Das Material ist leicht, korrosionsfest und für die üblichen Temperaturbereiche geeignet. Viele Ausführungen sind halogenfrei, was in Fluchtwegen und Gebäuden mit erhöhten Brandschutzanforderungen gefordert sein kann.
Messing, meist vernickelt, kommt dort zum Einsatz, wo mechanische Belastung höher ist oder eine Schirmung aufgelegt werden muss. Für den Anschluss geschirmter Leitungen, etwa an Frequenzumrichtern, gibt es EMV-Verschraubungen, die den Schirm rundum mit dem Gehäuse kontaktieren. Edelstahl ist die Wahl in Lebensmittelbetrieben und aggressiver Umgebung. In explosionsgefährdeten Bereichen dürfen nur dafür zugelassene Verschraubungen eingesetzt werden, die zur Zündschutzart des Gehäuses passen.
Richtig montieren in fünf Schritten
- Gewinde und Klemmbereich prüfen, Leitung messen.
- Verschraubung ins Gehäuse einschrauben oder mit Gegenmutter befestigen.
- Leitung durch die gelöste Druckschraube und den Dichteinsatz schieben, Mantel mindestens bis in das Gehäuse führen.
- Druckschraube anziehen, bis der Dichteinsatz die Leitung gleichmäßig umschließt. Das Anzugsmoment steht in der Herstellerangabe.
- Zug an der Leitung prüfen: Sie darf sich nicht herausziehen lassen.
Die Adern werden im Gehäuse anschließend normgerecht aufgelegt; weiteres Material steht unter Kabel und Verbindungstechnik.
Häufige Fragen zur Kabelverschraubung
Welche Kabelverschraubung für NYM 3 × 1,5?
Meist eine M20, sofern der Außendurchmesser der Leitung im Klemmbereich der Verschraubung liegt. Maßgeblich ist das Datenblatt, nicht die Gewindegröße.
Kann ich zwei Leitungen durch eine Verschraubung führen?
Nur mit einem Mehrfachdichteinsatz, der dafür ausgelegt ist. Zwei Leitungen in einem runden Standard-Dichteinsatz dichten nicht.
Passt eine M20-Verschraubung in ein PG-Gewinde?
Nein. PG- und metrische Gewinde unterscheiden sich in Durchmesser und Steigung. Es gibt Reduzierungen und Adapter, aber keine direkte Kompatibilität.
Was ist der Unterschied zwischen IP65 und IP68?
IP65 schützt gegen Strahlwasser, IP68 gegen dauerndes Untertauchen unter vom Hersteller angegebenen Bedingungen. Die Schutzart eines Gehäuses gilt nur mit Verschraubungen mindestens derselben Schutzart.
Braucht eine Kabelverschraubung eine Gegenmutter?
Nur in Bohrungen oder Ausbrechöffnungen ohne Innengewinde. In Gehäusen mit Innengewinde wird sie direkt eingeschraubt.