Leerrohr verlegen: M20 oder M25, Biegeradius und Füllgrad in der Praxis

Ein Leerrohr ist ein Installationsrohr, das ohne Kabel verlegt wird und die Leitung erst später aufnimmt. Es schützt die Adern mechanisch, trennt Stromkreise voneinander und macht einen Austausch möglich, ohne die Wand zu öffnen. Genau deshalb entscheidet sich im Rohbau, ob eine Installation in zehn Jahren erweiterbar ist oder ob gestemmt werden muss.

Die beiden Fragen, an denen es in der Praxis scheitert, sind immer dieselben: Welche Nenngröße, und wie viele Bögen verträgt die Strecke? Beides lässt sich vorher klären — und beides ist nach dem Verputzen nicht mehr korrigierbar.

M16, M20, M25: was die Zahl bedeutet

Die Nenngröße bezeichnet den Außendurchmesser in Millimetern. M20 ist also ein Rohr mit 20 mm Außendurchmesser, nicht mit 20 mm lichter Weite. Der Innendurchmesser liegt je nach Bauart und Wandstärke spürbar darunter, bei M20 typischerweise um 14 bis 15 mm. Wer nach Außenmaß plant und nach Innenmaß einziehen muss, hat sich verrechnet.

Als Orientierung für Wohn- und Zweckbau: M16 für eine einzelne dünne Leitung oder eine Steuerleitung, M20 als Standard für eine NYM-J 3 × 1,5 oder 3 × 2,5, M25 sobald zwei Leitungen oder ein dickerer Querschnitt hineinsollen, M32 und größer für Zuleitungen, Datenbündel und alles, was später nachgezogen wird. Das Sortiment steht unter Installationsrohr Kunststoff und Installationsrohr Metall.

Füllgrad: warum 40 Prozent die Grenze sind

Ein Rohr, das rechnerisch voll wird, lässt sich nicht mehr einziehen. In der Praxis und in den Herstellerangaben gilt deshalb ein Füllgrad von rund 40 Prozent der Rohrquerschnittsfläche als Obergrenze — nicht als Norm, sondern als Erfahrungswert, der Reibung, Bögen und Reserve berücksichtigt.

Wichtiger als die Rechnung ist die Reserve: Ein Leerrohr wird verlegt, damit später etwas dazukommt. Wer es beim Einbau schon bis an die Grenze füllt, hat ein teures Schutzrohr verlegt und keine Option gewonnen. Dieselbe Logik gilt für die Kabelführung insgesamt — der Rechenweg für Kanäle steht in unserem Beitrag Kabelkanal dimensionieren.

Biegeradius und die Zwei-Bogen-Regel

Jeder Bogen kostet Zugkraft. Als Faustwert gilt für biegsame Rohre ein Biegeradius von mindestens dem Dreifachen des Rohraußendurchmessers; bei M20 sind das rund 60 mm. Die verbindliche Zahl steht in der Herstellerangabe zum konkreten Rohr, denn sie hängt von Wandstärke und Temperatur ab. Bei Kälte wird PVC spröde, und ein Rohr, das im Winter geknickt wird, reißt an der Innenseite auf, ohne dass man es von außen sieht.

Für die Streckenplanung hat sich eine einfache Regel bewährt: höchstens zwei 90-Grad-Bögen zwischen zwei Abzweigdosen. Wer mehr braucht, setzt eine Zwischendose. Knicke, gequetschte Stellen und zu enge Radien merkt man erst beim Einziehen, wenn die Wand zu ist. Deshalb gehört beim Verlegen immer gleich ein Einziehdraht ins Rohr — er kostet fast nichts und ersetzt später den halben Arbeitstag.

Starres Rohr oder Wellrohr

Im Beton und in der Dämmebene wird Wellrohr verlegt, weil es sich dem Bewehrungskorb anpasst und Bögen ohne Formteile mitmacht. Es muss allerdings gegen Aufschwimmen und gegen Verdrücken beim Betonieren gesichert werden — dafür genügen Kabelbinder in kurzen Abständen.

Auf Putz, in Technikräumen und überall dort, wo es gerade und sichtbar bleibt, ist das starre Panzerrohr die saubere Wahl. Es wird mit Rohrschellen befestigt; die Herstellerangaben zum Befestigungsabstand liegen meist bei 0,5 bis 1 m, an Bögen und vor Dosen enger. Metallrohr kommt dort zum Einsatz, wo mechanische Belastung, Brandanforderungen oder Schirmung eine Rolle spielen.

Klassifizierung nach DIN EN 61386

Installationsrohre tragen einen mehrstelligen Klassifizierungscode nach DIN EN 61386. Die erste Stelle ist die Druckfestigkeit, gestaffelt in 125 N (sehr leicht), 320 N (leicht), 750 N (mittel), 1250 N (schwer) und 4000 N (sehr schwer). Danach folgen Schlagfestigkeit, zulässiger Temperaturbereich, Biegeeigenschaft und weitere Merkmale.

Für Unterputz im Wohnbau reicht ein leichtes Rohr. Unter Estrich, im Industrieboden oder dort, wo während der Bauphase befahren wird, gehört ein mittleres oder schweres Rohr hin. Der Temperaturbereich steht mit auf dem Rohr — ein Rohr, das erst ab 5 Grad verlegt werden darf, wird auf der Winterbaustelle zum Problem. In Fluchtwegen, Treppenräumen und Sammelanlagen sind halogenfreie Rohre die richtige Wahl, weil sie im Brandfall keine korrosiven Gase freisetzen.

Außen und im Feuchtraum

Draußen zählt nicht das Rohr allein, sondern der Übergang. An jeder Dose, jedem Gehäuse und jedem Kanalende entscheidet die Wellrohrverschraubung darüber, ob die Schutzart hält. Eine IP65- oder IP68-Verschraubung mit passender Dichtung ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung dafür, dass die angegebene Schutzart des Gehäuses überhaupt erreicht wird.

Zweiter Punkt im Außenbereich: Kondensat. Ein Rohr, das von warm nach kalt führt, sammelt Wasser an der tiefsten Stelle. Deshalb wird mit Gefälle zur Austrittsstelle verlegt oder am Tiefpunkt eine Entwässerung vorgesehen. Wasser im Leerrohr friert und drückt die Leitung.

Was ein Leerrohr nicht leistet

Ein Leerrohr ersetzt keinen Querschnitt. Wer eine Zuleitung zu knapp dimensioniert, macht sie durch ein dickeres Rohr nicht belastbarer — die Grundlage bleibt die Strombelastbarkeit der Leitung nach DIN VDE 0298-4, und die passende Leitung findest Du unter Kabel und Verbindungstechnik.

Und es ersetzt keine Trennung: Stark- und Schwachstrom gehören in getrennte Rohre. Ein gemeinsames Rohr für die Netzzuleitung und das Datenkabel spart ein paar Euro und erzeugt Störungen, die später niemand mehr findet. Wie die Wege in der Verteilung zusammenlaufen, beschreibt unser Beitrag Unterverteilung richtig planen; das passende Trassen- und Kanalmaterial steht unter Kabelführungssysteme.

Häufige Fragen zum Leerrohr

Welche Leerrohr-Größe für ein NYM 3 × 1,5?
M20 ist die übliche Wahl und lässt noch Reserve. M16 funktioniert nur auf kurzen, geraden Strecken ohne Nachzugabsicht.

Wie viele Leitungen dürfen in ein Leerrohr?
Maßgeblich ist der Füllgrad von rund 40 Prozent der Querschnittsfläche und die Frage, ob sich das Bündel noch einziehen lässt. Bei zwei NYM-Leitungen ist M25 der praktikable Standard.

Wie eng darf ein Leerrohr gebogen werden?
Als Faustwert das Dreifache des Außendurchmessers, bei M20 also rund 60 mm. Verbindlich ist die Herstellerangabe; bei Temperaturen unter dem angegebenen Verlegebereich nicht biegen.

Wellrohr oder starres Rohr?
Wellrohr im Beton, in der Dämmung und bei vielen Richtungswechseln. Starres Rohr auf Putz, in Technikräumen und überall dort, wo die Installation sichtbar und gerade bleiben soll.

Muss ein Einziehdraht mit ins Rohr?
Vorgeschrieben ist er nicht, sinnvoll immer. Ohne Einziehdraht wird aus jedem späteren Nachzug eine Suchaktion mit offenem Ergebnis.

Vorausgehend Neben