Netzleiste im 19-Zoll-Rack: welche PDU passt in den Schrank

Eine Netzleiste im 19-Zoll-Rack, oft auch PDU für Power Distribution Unit genannt, verteilt die Netzspannung von einem Zuleitungspunkt auf die eingebauten Geräte. Sie ist kein Zubehörteil, das man am Ende noch dazulegt, sondern bestimmt mit, wie viele Geräte der Schrank tragen kann und was bei einer Störung passiert.

Die typische Fehlentscheidung ist simpel: Es wird nach der Anzahl der Steckdosen gekauft. Entscheidend ist aber die Summenlast am Endstromkreis, und die ist bei 16 Ampere und 230 Volt bei rund 3.680 Watt erreicht - unabhängig davon, ob die Leiste sechs oder zwölf Plätze hat.

Bauform: 1 HE horizontal oder vertikal mit 0 HE

Eine Höheneinheit misst nach IEC 60297 genau 44,45 Millimeter, die Frontbreite eines 19-Zoll-Systems 482,6 Millimeter. Eine horizontale Leiste im 1-HE-Profil belegt damit einen Einbauplatz, der später für einen Switch oder ein Patchfeld fehlt. Dafür sitzt sie auf Augenhöhe und lässt sich sauber beschriften.

Die vertikale Variante wird seitlich im Schrankrahmen montiert und verbraucht keine Höheneinheit. Das lohnt sich, sobald der Schrank gut gefüllt ist. Voraussetzung ist eine passende vertikale Halterung und genug Schrankbreite: In einem 600 Millimeter breiten Schrank wird es neben den Patchkabeln schnell eng, 800 Millimeter sind entspannter. Wie sich Breite, Tiefe und Höheneinheiten gegenseitig begrenzen, steht im Beitrag zu Höheneinheiten, Tiefe und Kühlung.

Ein praktischer Punkt bei horizontalen Leisten: Steckdosen auf der Vorderseite sind bequem, blockieren aber die Front und führen zu Kabeln, die quer durch den Schrank laufen. Für fest installierte Geräte ist eine Leiste im hinteren Bereich meist die aufgeräumtere Lösung.

Steckdosentyp entscheidet über die Belegung

Für den deutschen Markt ist Schuko nach Typ F der Normalfall. Eine 1-HE-Leiste mit acht Schuko-Plätzen nimmt Netzteile auf, die ohnehin mit Schukostecker geliefert werden. Der Nachteil sind Steckernetzteile mit breitem Gehäuse: Sie verdecken den Nachbarplatz, und aus acht nutzbaren Dosen werden fünf.

Kaltgerätebuchsen nach IEC 60320 sind im Rack die kompaktere Wahl. C13 ist für 10 Ampere ausgelegt, C19 für 16 Ampere. Server, Switches und USV-Geräte bringen ihr Kaltgerätekabel meist mit, und die Stecker lassen sich enger setzen. Welcher Gerätestecker wofür gedacht ist, ordnet der Beitrag zu den IEC-60320-Gerätesteckern ein.

UTE-Dosen nach Typ E begegnen Dir bei Racks, die für den französischen Markt konfiguriert wurden. Sie nehmen Eurostecker und Typ-E-Stecker auf, aber keinen Schukostecker mit seitlichen Schutzkontakten. Vor der Bestellung lohnt der Blick auf das Datenblatt, nicht auf das Produktfoto. Die komplette Auswahl liegt bei den IT-Netzleisten.

Absicherung: Leitungsschutz gehört an die Leiste

Ohne eigenen Schutz hängt der ganze Schrank an einem Leitungsschutzschalter in der Unterverteilung. Ein defektes Netzteil legt dann alles still, und zum Zurücksetzen musst Du in den Technikraum oder in den Keller.

Eine Leiste mit integriertem LS-FI löst das an der richtigen Stelle. Der Fehlerstromschutz sitzt direkt vor den Verbrauchern, die Auslösung ist am Schrank sichtbar, und ein Fehler in einem Gerät trennt nicht zwingend die Zuleitung. Bei Racks mit vielen Schaltnetzteilen ist das mehr als Komfort: Ableitströme addieren sich, und ein gemeinsamer 30-Milliampere-RCD für mehrere Racks löst dann ohne echten Fehler aus.

Die Summenlast rechnest Du aus der tatsächlichen Leistungsaufnahme der Geräte, nicht aus dem Typenschild-Maximum aller Netzteile. Ein 48-Port-PoE-Switch ist dabei der größte Posten - sein Verbrauch hängt am angeschlossenen PoE-Budget, nicht an der Portzahl. Wie sich das berechnen lässt, zeigt der Beitrag zum PoE-Budget.

Geschaltet, gemessen oder einfach nur Verteilung

Eine einfache Netzleiste verteilt nur. Das genügt für die meisten Schränke im Gebäude. Ein Kippschalter an der Front ist praktisch für die Inbetriebnahme, aber auch eine Fehlerquelle, wenn jemand beim Arbeiten im Schrank dagegenkommt. Modelle mit versenktem oder abschließbarem Schalter vermeiden das.

Eine messende Leiste zeigt den aktuellen Strom an. Das ist dann sinnvoll, wenn Du wissen willst, wie nah der Schrank an den 16 Ampere liegt, bevor das nächste Gerät dazukommt. Eine schaltbare Leiste erlaubt es zusätzlich, einzelne Ausgänge über das Netzwerk zu trennen - der klassische Fall ist der Neustart eines aufgehängten Geräts an einem entfernten Standort.

Der Aufwand muss zum Objekt passen. In einem Wandschrank mit Router, Switch und NAS ist eine schaltbare PDU mit eigener Netzwerkschnittstelle mehr Angriffsfläche als Nutzen. In einem Technikraum mit mehreren Racks und Rufbereitschaft sieht die Rechnung anders aus.

Zusammenspiel mit USV, Erdung und Abwärme

Hängt eine USV im Schrank, gehört sie zwischen Zuleitung und Netzleiste - nicht umgekehrt. Verteile außerdem bewusst: Geräte, die im Stromausfall weiterlaufen sollen, kommen auf die USV-gestützte Leiste, alles andere auf eine zweite Leiste am Netz. Eine Leiste in eine andere Leiste zu stecken ist keine Lösung. Die Kaskadierung verschleiert die Summenlast und führt bei mehreren in Reihe geschalteten Schutzorganen zu unklarer Selektivität.

Das Metallgehäuse einer Leiste gehört in den Potentialausgleich des Schranks. Bei vertikaler Montage auf lackierten Rahmenprofilen stellt die Schraubverbindung allein keine sichere Verbindung her - dafür sind Kontaktscheiben oder ein separater Schutzleiteranschluss vorgesehen.

Und schließlich: Jedes Watt, das durch die Leiste fließt, wird im Schrank zu Wärme. Ein gut gefülltes Rack mit 2.000 Watt Dauerlast braucht eine Abfuhr dieser Leistung, sonst steigt die Innentemperatur über die Grenzwerte der Geräte. Der Beitrag zur Kühllast im Technikraum rechnet das durch.

Kurz zusammengefasst

Rechne zuerst die Summenlast, wähle dann den Steckdosentyp nach den tatsächlich vorhandenen Geräten und entscheide erst zum Schluss über horizontale oder vertikale Montage. Eine Leiste mit eigenem Schutzorgan spart im Störungsfall den Weg zur Verteilung - und ein freier Einbauplatz im 19-Zoll-Rack ist mehr wert als zwei zusätzliche Steckdosen, die ohnehin von Steckernetzteilen verdeckt würden.

Häufige Fragen

Wie viele Geräte darf ich an eine 16-A-Netzleiste hängen?
Nicht die Anzahl zählt, sondern die Summe der Leistungsaufnahme. Bei 230 Volt und 16 Ampere sind rund 3.680 Watt die Grenze. Plane eine Reserve ein, weil Netzteile beim Einschalten kurzzeitig mehr ziehen.

Darf ich eine Steckdosenleiste in eine andere stecken?
Nein. Die Kaskadierung macht die tatsächliche Belastung unübersichtlich und reiht Schutzorgane hintereinander, ohne dass die Auslösereihenfolge sichergestellt ist. Setze stattdessen eine zweite Leiste an einen eigenen Stromkreis.

Schuko oder C13 im Rack?
C13 ist kompakter und passt zu den mitgelieferten Kaltgerätekabeln von Switches, Servern und USV. Schuko brauchst Du für Geräte mit Steckernetzteil. Viele Schränke fahren deshalb beide Typen auf getrennten Leisten.

Lohnt sich eine Leiste mit integriertem FI?
Sobald mehrere Schaltnetzteile im Schrank sitzen, ja. Ihre Ableitströme addieren sich und können einen gemeinsamen RCD in der Verteilung ohne echten Fehler auslösen. Ein eigener Schutz am Schrank grenzt das Problem ein.

Horizontal oder vertikal montieren?
Horizontal, solange Höheneinheiten frei sind und die Leiste gut erreichbar sein soll. Vertikal, sobald der Schrank voll wird - die 0-HE-Montage am Rahmen kostet keinen Einbauplatz, braucht aber Schrankbreite.

Vorausgehend Neben