Stromstoßschalter statt Kreuzschaltung: wann lohnt sich ein Fernschalter im Verteiler?

Ein Stromstoßschalter ist ein bistabiles Relais im Verteiler, das bei jedem kurzen Spannungsimpuls seinen Schaltzustand wechselt: ein Tastendruck schaltet ein, der nächste wieder aus. Im Handel heißt er auch Fernschalter oder Stromstoßrelais. Statt mehrerer Wechsel- und Kreuzschalter mit Korrespondenzadern hängen an ihm nur noch Taster, und davon so viele, wie der Steuerkreis des Geräts zulässt. Dieser Ratgeber zeigt, wann der Umstieg von der Wechsel- oder Kreuzschaltung auf Taster und Fernschalter sinnvoll ist, welche Kontaktvariante zu welchem Fall passt und wo die Grenzen liegen.

Wie der Stromstoßschalter arbeitet

Das Gerät sitzt als Reiheneinbaugerät auf der 35-mm-Hutschiene im Verteiler und belegt je nach Kontaktzahl eine oder zwei Teilungseinheiten; die Baubreite steht im Datenblatt des jeweiligen Geräts. Es hat zwei Stromkreise, die elektrisch getrennt sind: den Steuerkreis mit der Spule an den Klemmen A1 und A2 und den Lastkreis mit dem Schaltkontakt. Drückst du einen Taster, bekommt die Spule für einen Moment 230 V, ein Mechanismus kippt den Kontakt in die andere Lage und hält ihn dort, bis der nächste Impuls kommt. Weil der Zustand mechanisch gespeichert wird, bleibt das Licht nach einem Stromausfall in der Lage, in der es vorher war.

Der Lastkontakt eines Reiheneinbau-Fernschalters mit einem Schließer schaltet den Leuchtenstromkreis. Welche Last der Kontakt dauerhaft trägt, steht im Datenblatt des jeweiligen Geräts; für Standardgeräte sind 16 A üblich, dieser Wert gilt aber für ohmsche Last. Für LED-Leuchten nennen die Hersteller eine eigene, deutlich kleinere zulässige Leistung und einen maximalen Einschaltstrom, weil LED-Treiber beim Einschalten kurz ein Vielfaches ihres Nennstroms ziehen. Beide Werte musst du gegen die geplante Leuchtenzahl prüfen.

Warum Taster statt Schalter

Ein Tastereinsatz mit einem Schließer gibt den Kontakt frei, sobald du die Wippe loslässt. Deshalb kannst du viele Taster parallel schalten: Jeder einzelne liefert den Impuls, keiner blockiert den anderen. Grenzen setzen die Länge der Steuerleitung und bei beleuchteten Tastern der zulässige Glimmlampenstrom, beides steht im Datenblatt des Fernschalters. Bei der Kreuzschaltung ist das anders, dort ist jede zusätzliche Schaltstelle ein weiterer Kreuzschalter mit vier Klemmen und zwei zusätzlichen Adern zwischen den Stellen. Ab vier oder fünf Schaltstellen wird das unübersichtlich, und genau hier beginnt der Vorteil des Fernschalters.

Die Verdrahtung ist einfacher: Zu jedem Taster laufen der Außenleiter L und eine Tastleitung zurück zur Spule. Die Taster selbst sind Standardeinsätze aus dem Schalterprogramm, optisch unterscheidet sich die Wippe für Schalter und Taster nicht von einem normalen Lichtschalter. Wer zusätzlich eine Orientierungsleuchte will, nimmt eine beleuchtete Wippe, muss aber die Grenze des Herstellers für Glimmlampen beachten: Der kleine Strom der Lampen fließt über die Spule, zu viele davon lassen das Relais brummen oder fehlschalten. Die zulässige Anzahl steht im Datenblatt des Stromstoßschalters.

Welche Kontaktvariante zu welchem Fall passt

Die Geräte unterscheiden sich in Zahl und Art der Kontakte. Für die meisten Räume reicht ein Schließer. Darüber hinaus gibt es sinnvolle Varianten:

  • 1 Schließer: ein Leuchtenkreis, viele Taster. Der Standardfall für Flur, Treppe, Wohnzimmer mit mehreren Zugängen.
  • 2 Schließer: zwei Stromkreise schalten gemeinsam, etwa Decken- und Wandleuchten im Wohn-Ess-Bereich oder Licht plus Steckdose für eine Stehlampe. Dafür ist der Fernschalter mit zwei Schließern gedacht.
  • 1 Schließer plus 1 Öffner: ein Kontakt schaltet das Licht, der zweite meldet den Zustand, zum Beispiel an eine Kontrollleuchte im Keller oder an eine Lüftung, die laufen soll, solange das Licht aus ist. Dafür ist der Fernschalter mit Schließer und Öffner gedacht.
  • 4 Schließer: vier Stromkreise schalten gemeinsam, etwa alle Leuchten einer Werkstatt oder einer Ladenfläche über einen Taster. Der Fernschalter mit vier Schließern ist dafür ein Gerät mit vier Kontakten, die immer zusammen kippen. Vier unabhängig bedienbare Lichtkreise brauchen weiterhin vier einzelne Fernschalter.

Weitere Schalt- und Steuergeräte für die Hutschiene findest du in der Kategorie Schütze und Relais.

Umrüsten im Bestand: Kreuzschaltung auf Taster

Hängt an einem Flur bereits eine Kreuzschaltung, lässt sie sich oft ohne neue Leitungen umbauen: Die vorhandenen Korrespondenzadern zwischen den Schaltstellen können als Tastleitung weiterverwendet werden, die Schalter werden gegen Taster getauscht, und der Stromstoßschalter kommt in den Verteiler. Ein reiner Tausch der Einsätze ist das aber nicht. Die Elektrofachkraft zeichnet den vorhandenen Schaltplan auf, ordnet jede Ader in jeder Dose neu zu und prüft, ob überall ein Außenleiter ankommt und ob die Leitung vom Verteiler zur ersten Dose eine freie Ader für die Tastleitung hat. Fehlt eine Ader, bleibt nur eine zusätzliche Leitung oder eine Funklösung.

Welche Schaltung aktuell verbaut ist, erkennst du am Einsatz: Ein Wechselschaltereinsatz hat drei Klemmen, ein Kreuzschaltereinsatz vier. Schaltet die alte Anlage unzuverlässig, lies vor dem Umbau den Beitrag Lichtschalter geht nicht immer, oft ist nur eine Klemme lose.

Neubau: Zentral-Aus und Gruppen planen

Im Neubau zahlt sich der Stromstoßschalter aus, wenn du Funktionen willst, die mit Schaltern nicht gehen. Ein Zentral-Aus an der Haustür geht nur mit Fernschaltern, die einen eigenen Zentralsteuereingang haben; ein einfacher Fernschalter mit nur A1 und A2 kann das nicht, weil ein zweiter Impuls das Licht wieder einschalten würde. Gruppen wie „alle Außenleuchten" oder „Erdgeschoss komplett" entstehen über Geräte mit mehreren Kontakten oder über die Zentralsteuerung. Plane dafür im Verteiler Platz ein: Jeder Fernschalter belegt mindestens eine Teilungseinheit, Geräte mit mehreren Kontakten oft zwei, und die Tastleitungen brauchen Verdrahtungsraum. Wie der Verteiler grundsätzlich aufgebaut ist, steht im Ratgeber Wie ist ein Sicherungskasten aufgebaut.

Wer deutlich mehr will als Licht an und aus, etwa Szenen, Zeitpläne oder Dimmen von mehreren Stellen, ist bei einem Bussystem besser aufgehoben. Für reine Lichtschaltung von vielen Stellen bleibt der Fernschalter die günstigste und robusteste Lösung.

Grenzen und typische Fehler

Ein Stromstoßschalter braucht Spannung im Verteiler, der Stromkreis muss also bis dorthin geführt sein. Mechanische Geräte klicken hörbar, im Verteiler stört das selten, in einer Unterverteilung im Schlafzimmer schon. Fällt das Gerät aus, geht in diesem Kreis gar kein Licht mehr, der Austausch ist dann eine Sache für die Elektrofachkraft. Und der Fehler, der am häufigsten vorkommt: Taster mit Glimmlampe ohne Rücksicht auf die Herstellergrenze. Dann flackert das Licht oder das Relais schaltet von selbst.

Arbeiten im Verteiler sind kein Heimwerkerthema. Das Setzen des Reiheneinbaugeräts, der Anschluss an Außenleiter und Neutralleiter und die Prüfung nach DIN VDE 0100-600 gehören in die Hand eines Elektroinstallationsbetriebs. Was du selbst vorbereiten kannst: Taststellen festlegen, Gruppen planen und klären, welche Adern in den Dosen ankommen. Taster und Wippen aus der Kategorie Taster wählst du am besten passend zur bestehenden Schalterserie.

Häufige Fragen

Wie viele Taster kann ich an einen Stromstoßschalter anschließen

Bei unbeleuchteten Tastern sehr viele, weil sie parallel liegen und nur Impulse geben; die Grenze setzt die zulässige Länge der Steuerleitung laut Datenblatt. Bei beleuchteten Tastern begrenzt der Hersteller zusätzlich die Anzahl der Glimmlampen.

Was passiert bei Stromausfall

Ein mechanischer Stromstoßschalter speichert den Zustand, nach dem Ausfall ist das Licht so wie vorher. Elektronische Varianten können je nach Typ in eine definierte Ausgangslage gehen.

Kann ich einen Dimmer mit Stromstoßschalter kombinieren

Nicht mit einem normalen Fernschalter, der nur ein- und ausschaltet. Für Dimmen von mehreren Stellen brauchst du einen Tastdimmer mit Nebenstelleneingang oder einen Dimmaktor für die Hutschiene.

Ist ein Stromstoßschalter dasselbe wie ein Treppenlichtzeitschalter

Nein. Der Treppenlichtzeitschalter schaltet nach einer eingestellten Zeit von selbst wieder aus. Der Stromstoßschalter bleibt an, bis der nächste Tastendruck kommt. Beide werden aber über Taster bedient.

Kann ich den Umbau von Kreuzschaltung auf Taster selbst machen

Den Tausch der Einsätze und das Planen der Taststellen kannst du vorbereiten. Der Einbau des Relais im Verteiler und der Anschluss unter Spannung gehören zur Elektrofachkraft, inklusive Prüfung der fertigen Anlage.

Vorausgehend Neben