Ein Sicherungskasten ist der Verteiler, der den Strom aus dem Zählerschrank auf die einzelnen Stromkreise deiner Wohnung oder deines Hauses aufteilt und jeden Kreis absichert. Fachlich heißt er Stromkreisverteiler, Kleinverteiler oder Unterverteilung. Im Kasten sitzen Schutzschalter auf einer 35 mm breiten Hutschiene. Sie schalten ab, wenn eine Leitung überlastet ist, ein Kurzschluss entsteht oder Strom über den Körper oder die Erde fließt. Wer den Aufbau versteht, findet Fehler schneller, kann ihn sauber beschriften und weiß, wann ein Elektrofachbetrieb ran muss.
Zählerschrank und Sicherungskasten sind nicht dasselbe
Im Zählerschrank sitzen der Stromzähler und die Anlagen des Netzbetreibers. Dieser Teil ist plombiert, und Arbeiten daran gehören ausschließlich in die Hände des Netzbetreibers oder eines bei ihm eingetragenen Installationsunternehmens (§ 13 NAV). Der Sicherungskasten liegt dahinter und gehört zur Kundenanlage. Bei Einfamilienhäusern ist er oft ein Feld im Zählerschrank, bei Wohnungen meist ein eigener Kasten im Flur. Der Aufbau des Zählerschranks richtet sich nach den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) deines Netzbetreibers und DIN VDE 0603-1.
Die Bauteile im Sicherungskasten von oben nach unten
Die Reihenfolge folgt dem Weg des Stroms. Nicht jede Anlage hat alles, eine ältere Wohnung kommt mit weniger aus.
- Hauptschalter: Er trennt die gesamte Anlage in allen Polen vom Netz. Für den Wohnungsverteiler ist er üblich, aber nicht immer vorhanden. Es gibt ihn als 3-poligen Hauptschalter im Reiheneinbau mit unterschiedlichen Bemessungsströmen.
- Überspannungsschutz: Er leitet Spannungsspitzen aus dem Netz oder von Blitzeinwirkung ab. Für Neuanlagen in Wohngebäuden fordert ihn DIN VDE 0100-443 seit der Ausgabe 2016; verzichtet werden darf nur nach einer dokumentierten Risikobewertung. Auswahl und Einbau regelt DIN VDE 0100-534. Die Grundlagen zu Typ 1, 2 und 3 erklären wir separat.
- FI-Schutzschalter (RCD): Er schaltet ab, wenn ein Fehlerstrom von meist 30 mA gegen Erde fließt, etwa über einen defekten Geräteanschluss oder über eine Person. Ein FI-Schutzschalter 40 A, 4-polig, 30 mA, Typ A ist in Drehstromanlagen verbreitet. Der Typ richtet sich nach den angeschlossenen Verbrauchern; bei Wallbox oder Wärmepumpe gilt die Herstellerangabe.
- Leitungsschutzschalter (LS): Er schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss. Jeder Stromkreis bekommt einen eigenen LS, zum Beispiel einen Leitungsschutzschalter B16, 1-polig für einen Steckdosenkreis. Welcher Leitungsquerschnitt dazu passt, legt die Elektrofachkraft nach Verlegeart und Länge fest.
- Sammelschiene, N- und PE-Klemmen: Die Sammelschiene verteilt die Phasen auf die Schalter. Über die Klemmleisten laufen Neutralleiter (blau) und Schutzleiter (grün-gelb).
Die Geräte sind in Teilungseinheiten (TE) von 17,5 mm Breite genormt. Ein einpoliger LS belegt 1 TE, ein FI je nach Bauart 2 bis 4 TE. Ein gängiger Aufputz-Kleinverteiler mit 4 Reihen zu je 20 TE bietet damit 80 Plätze. Bei der Planung lohnt sich Reserve, weil später oft ein Stromkreis für Wallbox, Klimaanlage oder Sauna dazukommt. DIN 18015-1 empfiehlt mindestens 20 Prozent freie Plätze im Stromkreisverteiler.
FI und LS: wer schützt wovon
Die beiden Geräte lösen unterschiedliche Aufgaben und ersetzen sich nicht. Der LS schützt die Leitung, der FI schützt Menschen vor Fehlerströmen. Fällt der FI, liegt meist ein Erdschluss oder ein Isolationsfehler an einem Gerät vor. Fällt ein LS, war der Kreis überlastet oder kurzgeschlossen. Den Unterschied haben wir im Beitrag FI und LS im Vergleich ausführlich erklärt, die Zuordnung der Schalter zu den Kreisen im Beitrag Wie viele LS-Schalter pro Stromkreis.
Typische Stromkreise im Wohnhaus
Die Einteilung legt die Planung fest, hier ein Überblick, wie sie häufig aussieht:
- Licht: eigener Kreis je Geschoss oder Raumgruppe, häufig B10 oder B16
- Steckdosen: je Raum oder Raumgruppe, häufig B16
- Herd: eigener Kreis, meist dreiphasig
- Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler: jeweils ein eigener Kreis
- Bad, Keller, Außenbereich: oft getrennte Kreise mit FI-Schutz
Welcher Schutzschalter zu welcher Leitung passt, entscheidet die Elektrofachkraft nach Querschnitt, Verlegeart und Länge. Die Kombination Leitung und Sicherung ist keine Auswahl nach Gefühl.
Alter Sicherungskasten mit Schraubsicherungen
In Altbauten sitzen oft Diazed- oder Neozed-Sicherungen. Sie schützen die Leitung ebenfalls, lassen sich aber nur tauschen, nicht zurücksetzen, und bringen keinen Fehlerstromschutz mit. Ob sich ein Umbau lohnt, hängt vom Zustand der Anlage ab. Wir haben die Unterschiede zwischen Schraubsicherung und Leitungsschutzschalter gegenübergestellt. Ein neuer Verteiler ist eine Arbeit für einen Elektrofachbetrieb und wird bei Änderungen am Zählerplatz mit dem Netzbetreiber abgestimmt.
Was du selbst tun kannst und was nicht
- Beschriften: Jede Sicherung erhält eine lesbare Beschriftung des Stromkreises. Das geht ohne Eingriff in die Anlage.
- FI-Prüftaste drücken: Viele Hersteller empfehlen die Prüfung etwa alle sechs Monate. Der FI muss dabei auslösen. Danach schaltest du ihn wieder ein und stellst Uhren und empfindliche Geräte neu.
- Sichtprüfung von außen: Gehäuse, Abdeckung und Verfärbungen kontrollieren, ohne etwas zu öffnen.
- Schutzschalter tauschen, Kreise ändern, Abdeckungen abnehmen: Das ist Sache einer Elektrofachkraft. Im Kasten liegen Anschlüsse spannungsführend, und ein falscher Schalter kann den Schutz aufheben.
Ein Schalter, der sich nicht mehr einschalten lässt, oder ein FI, der wiederholt auslöst, sind Anzeichen für einen Fehler in der Anlage oder in einem Gerät. Dann Geräte am betroffenen Kreis einzeln abstecken und bei anhaltendem Fehler den Elektriker rufen.
Weitere Bauteile für den Verteiler findest du in den Kategorien Kleinverteiler und Medienverteiler und Verteilung und Schutz.
Häufige Fragen zum Aufbau des Sicherungskastens
Ist der Sicherungskasten dasselbe wie der Zählerschrank?
Nein. Der Zählerschrank enthält den Zähler und die Netzbetreiber-Seite und ist plombiert. Der Sicherungskasten dahinter verteilt den Strom auf die Stromkreise. Bei manchen Einfamilienhäusern stecken beide im selben Schrank.
Wie viele Sicherungen hat ein Sicherungskasten?
Die Zahl hängt von Größe und Ausstattung ab. Maßgeblich ist die Verteilerplanung, die du beim Beschriften Schalter für Schalter nachvollziehst.
Wozu dient der FI-Schalter im Sicherungskasten?
Er trennt den Stromkreis bei einem Fehlerstrom, meist ab 30 mA, und schützt so vor gefährlichen Berührungsspannungen. Vor Überlast der Leitung schützt er nicht, dafür ist der LS zuständig.
Darf ich im Sicherungskasten selbst Schalter tauschen?
Nein, das erledigt eine Elektrofachkraft. Sichere Arbeiten setzen Freischalten, Sichern gegen Wiedereinschalten und Spannungsfreiheit prüfen voraus. Änderungen am Zählerplatz sind Aufgabe eines beim Netzbetreiber eingetragenen Installateurs.
Wie erkenne ich, welcher Schalter zu welchem Raum gehört?
Schalte die Schutzschalter nacheinander aus und prüfe, was ausfällt. Trage das Ergebnis in die Beschriftung ein. Eine Vorlage findest du in unserem Beitrag zum Beschriften des Sicherungskastens, den wir oben verlinkt haben.