SG Ready ist eine Schnittstelle, über die ein externes Gerät einer Wärmepumpe vier Betriebszustände vorgeben kann - von der Sperre bis zum Anlaufbefehl. Sie ist kein Kommunikationsprotokoll und kein Messsystem, sondern schlicht ein Paar potentialfreier Schaltkontakte. Genau deshalb wird sie oft überschätzt und trotzdem falsch angeschlossen.
Die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe scheitert selten an der Hardware. Sie scheitert daran, dass niemand vorher festlegt, wer die Entscheidung trifft: der Wechselrichter, ein Energiemanager, die Heizungsregelung oder der Netzbetreiber. Drei dieser vier greifen inzwischen tatsächlich zu.
Was SG Ready wirklich bedeutet
Die Schnittstelle arbeitet mit zwei Kontakten und daraus vier definierten Zuständen. Zustand 1 ist die Sperre - die Wärmepumpe bleibt aus, maximal zwei Stunden am Stück. Zustand 2 ist der Normalbetrieb nach eigener Regelung. Zustand 3 ist eine Einschaltempfehlung: Die Anlage läuft verstärkt, etwa mit angehobener Speichertemperatur, aber ohne Zwang. Zustand 4 ist der definitive Anlaufbefehl.
Wichtig ist der Unterschied zwischen 3 und 4. Zustand 3 ist genau der, den du bei PV-Überschuss brauchst: Die Wärmepumpe nimmt den verfügbaren Strom mit, entscheidet aber weiterhin selbst, ob das gerade sinnvoll ist. Zustand 4 überstimmt die Eigenlogik und kann bei falscher Nutzung zu Takten und unnötigen Laufzeiten führen. Wer eine Monoblock-Wärmepumpe anbindet, sollte deshalb prüfen, welche Zustände der Hersteller überhaupt auswertet - nicht jedes Gerät nutzt alle vier gleich intensiv.
SG Ready sagt nichts über die Leistungsaufnahme aus und liefert keine Messwerte zurück. Wer wissen will, wie viel die Wärmepumpe gerade zieht, braucht eine separate Erfassung. Das ist der Punkt, an dem viele Installationen unvollständig bleiben.
Wie viel PV-Strom eine Wärmepumpe tatsächlich nutzt
Die Erwartung, eine Wärmepumpe laufe im Winter aus der eigenen PV-Anlage, hält der Realität nicht stand. Der Wärmebedarf ist im Dezember und Januar am höchsten, der PV-Ertrag am niedrigsten. Eine Anlage, die im Juni 400 bis 500 Kilowattstunden je installiertem Kilowatt-Peak-Anteil liefert, kommt im Dezember auf einen Bruchteil davon.
Realistisch ist ein PV-Deckungsgrad der Wärmepumpe von grob 20 bis 35 Prozent über das Jahr, wenn Speicher und Regelung passen. Der Beitrag entsteht vor allem in den Übergangsmonaten März bis Mai und September bis November - dort trifft ein noch spürbarer Wärmebedarf auf ordentliche Erträge. Wie viel Modulfläche für dein Dach überhaupt sinnvoll ist, klärt der Beitrag zur kWp-Berechnung.
Der zweite Hebel ist die Warmwasserbereitung. Sie fällt ganzjährig an, ist zeitlich verschiebbar und passt damit deutlich besser zum PV-Profil als die Raumheizung. Eine Warmwasserladung am Mittag statt am frühen Morgen ist oft die wirksamste Einzelmaßnahme überhaupt.
§14a EnWG: Was der Netzbetreiber darf
Seit dem 1. Januar 2024 gilt für neu angeschlossene steuerbare Verbrauchseinrichtungen über 4,2 Kilowatt eine Pflicht zur netzorientierten Steuerung. Betroffen sind Wärmepumpen, Wallboxen, Klimaanlagen mit Kühlfunktion und Speicherheizungen. Der Netzbetreiber darf im Engpassfall auf mindestens 4,2 Kilowatt reduzieren - er darf nicht komplett abschalten.
Als Gegenleistung stehen dir Module zur Wahl. Modul 1 ist eine pauschale Reduzierung des Netzentgelts, Modul 2 senkt stattdessen den Arbeitspreis-Anteil des Netzentgelts prozentual und lohnt sich eher bei hohem Verbrauch. Modul 3 mit zeitvariablen Netzentgelten kommt zusätzlich zu Modul 1 in Frage. Wichtig: Die Steuerung setzt ein intelligentes Messsystem voraus - was beim Zählertausch ohnehin auf dich zukommt.
Die Netzsteuerung und die PV-Überschusssteuerung sind zwei getrennte Ebenen. Die eine begrenzt im Engpassfall, die andere optimiert den Eigenverbrauch. Beide müssen im Anschlusskonzept auseinandergehalten werden, sonst blockieren sie sich gegenseitig.
Überschuss richtig regeln: Schaltkontakt, Modbus oder EMS
Die einfachste Variante ist ein Relaisausgang am Wechselrichter, der bei einer definierten Einspeiseleistung SG-Ready-Zustand 3 setzt. Das funktioniert, ist aber grob: Ein fester Schwellwert kennt weder die aktuelle Leistungsaufnahme der Wärmepumpe noch den Ladezustand des Speichers. Sinnvoll ist eine Einschaltschwelle etwas oberhalb der typischen Leistungsaufnahme plus eine Mindestlaufzeit, sonst schaltet der Kontakt bei jeder Wolke.
Die zweite Stufe ist eine Anbindung über Modbus TCP oder eine herstellereigene Schnittstelle. Damit wird aus dem Schaltbefehl eine echte Regelung: Die Wärmepumpe bekommt eine Sollleistung oder eine angehobene Speichersolltemperatur, passend zum tatsächlichen Überschuss. Voraussetzung ist ein Energiemanagement mit Messung am Netzverknüpfungspunkt - ohne saubere Leistungsmessung regelt jedes System ins Blaue.
Die dritte Variante ist ein Hybridsystem, das Erzeugung, Speicher und Verbraucher in einem Gerät verwaltet. Ein dreiphasiger Hybrid-Wechselrichter priorisiert dann intern: erst Hausverbrauch, dann Batterie, dann Wärmepumpe, dann Einspeisung. Das ist die aufgeräumteste Lösung, bindet dich aber stärker an eine Herstellerwelt.
Speicher, Pufferspeicher oder beides
Ein Batteriespeicher und ein Pufferspeicher lösen unterschiedliche Probleme. Die Batterie verschiebt Strom über wenige Stunden und steht allen Verbrauchern zur Verfügung. Der thermische Speicher verschiebt Wärme, ist deutlich günstiger je Kilowattstunde Kapazität und hat keine Zyklenbegrenzung.
Für die Wärmepumpe ist der thermische Weg fast immer der wirtschaftlichere. Ein Warmwasserspeicher mit 300 Litern, der von 45 auf 55 Grad geladen wird, nimmt rund 3,5 Kilowattstunden Wärme auf - bei einer Arbeitszahl von 3 also gut ein Kilowattstunde Strom je Grad-Anhebung im oberen Bereich. Das ist deutlich billiger als dieselbe Menge über die Batterie zu puffern.
Sinnvoll ist die Reihenfolge: erst den thermischen Speicher ausnutzen, dann die Batterie, dann einspeisen. Genau diese Priorisierung muss im Energiemanagement hinterlegt sein - sie stellt sich nicht von allein ein.
Was du vor der Planung klären musst
Fang bei der elektrischen Seite an. Die Wärmepumpe braucht einen eigenen Stromkreis in der Unterverteilung, passenden Fehlerstromschutz und Platz für die Steuerbox des Netzbetreibers. Beides zusammen sind schnell mehrere Teilungseinheiten, die in einem Verteiler von 2005 nicht mehr frei sind.
Danach kommt die Schnittstellenfrage: Welche Zustände wertet die Heizungsregelung aus, welche Schnittstelle bietet der Wechselrichter, und wer ist im Zweifel der Master? Kläre das vor der Bestellung, nicht bei der Inbetriebnahme. Der häufigste Fehler in der Praxis sind zwei Systeme, die beide steuern wollen und sich gegenseitig überschreiben.
Und rechne die Hydraulik mit. Eine Wärmepumpe, die für PV-Überschuss die Vorlauftemperatur anheben soll, braucht dafür Reserve nach oben. Läuft sie ohnehin schon am oberen Ende ihres Kennfelds, ist der Überschussbetrieb technisch kaum darstellbar.
Häufige Fragen
Brauche ich SG Ready zwingend für PV-Überschuss?
Nein. SG Ready ist der einfachste Weg, aber eine Anbindung über Modbus oder eine Herstellerschnittstelle regelt feiner. Ohne irgendeine Schnittstelle bleibt nur die indirekte Steuerung über Zeitprogramme, und die trifft den Ertrag nur zufällig.
Wie hoch ist der realistische PV-Anteil an der Heizung?
Über das Jahr etwa 20 bis 35 Prozent des Wärmepumpenstroms, mit dem Schwerpunkt in den Übergangsmonaten und bei der Warmwasserbereitung. Im Dezember und Januar liegt der Anteil nahe null.
Darf der Netzbetreiber meine Wärmepumpe abschalten?
Abschalten nicht. Nach §14a EnWG darf er im Engpassfall auf mindestens 4,2 Kilowatt reduzieren. Bei üblicher Gebäudeträgheit ist das für einige Stunden ohne spürbaren Komfortverlust überbrückbar.
Lohnt sich ein Batteriespeicher für die Wärmepumpe?
Für die Wärmepumpe allein selten - der thermische Speicher ist je Kilowattstunde deutlich günstiger. Die Batterie rechnet sich über den gesamten Haushaltsverbrauch, nicht über die Heizung.
Was ist der häufigste Planungsfehler?
Zwei Systeme mit Steueranspruch: Wechselrichter und Energiemanager setzen beide SG-Ready-Signale und heben sich gegenseitig auf. Lege vor der Installation fest, welches Gerät der Master ist.
Klär also zuerst, wer regelt, dann womit, und erst danach, welche Geräte gekauft werden. In dieser Reihenfolge steht am Ende eine Anlage, die den Überschuss wirklich nutzt statt ihn nur zu vermelden.