Ein Brüstungskanal ist ein Geräteeinbaukanal, der an der Wand in Arbeitshöhe montiert wird und Leitungen für Strom, Netzwerk und Telefon aufnimmt. Steckdosen und Datendosen sitzen direkt im Kanal, statt einzeln in der Wand. Du findest ihn in Büros, Werkstätten, Schulungsräumen und Praxen, überall dort, wo viele Anschlüsse an einer Wand gebraucht werden und sich die Belegung später ändern kann.
Dieser Ratgeber zeigt, wie du die passende Größe findest, worin sich Kunststoff und Stahl unterscheiden, welche Formteile du für eine saubere Strecke brauchst und wo die Arbeit der Elektrofachkraft beginnt.
Wann ein Brüstungskanal sinnvoll ist
Ein Brüstungskanal lohnt sich, wenn an einer Wand mehr als zwei oder drei Arbeitsplätze versorgt werden oder wenn die Belegung wechselt. Im Kanal lassen sich Leitungen nachziehen und Geräte versetzen, ohne Wände aufzustemmen. In Bestandsbauten ersetzt er oft die aufwendige Unterputz-Nachrüstung, in Neubauten erspart er viele Einzeldosen in Trockenbauwänden.
Für einzelne Steckdosen im Wohnraum ist der Kanal meist zu groß. Dort reicht ein flacher Sockelleistenkanal am Boden. Varianten findest du in der Kategorie Sockelleistenkanal komplett.
Größe wählen: Kanalmaß und Systemöffnung
Die Maße stehen im Produkttitel. Der OBO Geräteeinbaukanal GK-70130RW ist mit 130 x 70 mm angegeben, der GK-70110RW mit 110 x 70 mm. Zusammen mit der Systemöffnung entscheiden diese Werte über Platz und Geräteauswahl.
- Tiefe: Sie muss zur Einbautiefe deiner Geräte passen. Steckdosen mit Tragring und Einbaudose brauchen Platz nach hinten, dazu kommen Leitungen, die hinter dem Gerät vorbeigeführt werden. Prüfe die Einbautiefe im Datenblatt des Geräts und der Einbaudose.
- Kanalmaß: Es bestimmt, wie viele Leitungen der Kanal aufnimmt. Der OBO Geräteeinbaukanal GK-70110RW im Format 110 x 70 mm hat weniger Querschnitt als der OBO Geräteeinbaukanal GK-70130RW mit 130 x 70 mm. Für viele Arbeitsplätze oder eine Trennung von Strom und Daten ist der größere Querschnitt im Vorteil. Wie viele Leitungen hineinpassen, steht im Datenblatt.
- Systemöffnung: Bei den GK-Kanälen beträgt sie laut Hersteller 76,5 mm. In die Geräteeinbaudosen der Serie 71GD passen Schalterprogramme in Tragring- und Tragbügelbauweise sowie Modul-45-Installationsgeräte. Das Oberteil wird separat bestellt. Entscheide dich vor dem Kauf für ein System, denn Geräte, Dosen und Oberteil müssen zusammenpassen.
Plane den Kanal nicht randvoll. Leitungen, die später nachgezogen werden, brauchen Platz. Wie du Füllgrad und Kanalgröße allgemein abschätzt, steht im Ratgeber Kabelkanal dimensionieren. Den genauen Füllgrad für deinen Kanal nennt der Hersteller im Datenblatt.
Kunststoff oder Stahl
Kunststoffkanäle sind leicht, lassen sich mit einer feinen Säge zuschneiden und sind nicht leitfähig. Der GK besteht laut Hersteller aus bleifreiem Polyvinylchlorid. Für Büros, Praxen und Schulungsräume sind sie die übliche Wahl. Einige Ausführungen sind halogenfrei. Halogenfrei heißt nicht automatisch schwer entflammbar oder brandschutzgeeignet. Welche Materialeigenschaften dein Gebäude verlangt, legt das Brandschutzkonzept fest.
Stahlkanäle sind mechanisch robuster und eignen sich für Werkstätten, Labore oder Bereiche mit Stoßbelastung. Ein Beispiel für einen Kanal, dessen Potentialausgleich der Hersteller beschreibt, ist der OBO Geräteeinbaukanal GS-S70130RW (130 x 70 mm). Laut Hersteller erfolgt bei ihm der Potentialausgleich zwischen den Kanalunterteilen über die Kupplung, zwischen Ober- und Unterteil über die selbstkontaktierende Kanalabdeckung. Ein metallischer Kanal ist ein leitfähiges Teil. Ob und wie er geerdet oder in den Potentialausgleich einbezogen wird, entscheidet die Elektrofachkraft nach Herstellerangabe und den Bedingungen der Anlage. Das ist keine Arbeit für Laien.
Achte bei der Farbe auf die RAL-Angabe. Reinweiß RAL 9010 ist verbreitet, daneben gibt es Schwarz und andere Töne. Formteile sollten aus derselben Serie und Farbe stammen, sonst passen Übergänge und Optik nicht.
Formteile und Zubehör für eine saubere Strecke
Ein Brüstungskanal besteht aus Unterteil und Oberteil. Für Ecken, Enden und Stöße brauchst du passende Formteile. Plane die Strecke deshalb vorher Wand für Wand durch:
- Endstücke wie das OBO Endstück GK-E70110RW verschließen den Kanal.
- Innen- und Außenecken führen den Kanal um Raumecken und Pfeiler.
- Flachwinkel lenken den Kanal in der Ebene um, etwa nach oben zur Decke.
- Kupplungen sorgen für bündige Übergänge zwischen zwei Kanallängen. Beim GK-Kanal ist laut Hersteller je Kanallänge einseitig ein Kupplungspaar vormontiert.
- Einbaudosen nehmen die Geräte im Oberteil auf.
- Trennwände teilen den Kanal in getrennte Züge.
Alle passenden Kanäle und viele Formteile findest du in der Kategorie Geräteeinbaukanal. Prüfe beim Formteil immer, ob die Typbezeichnung zu deinem Kanal passt. Ein Endstück für 110 x 70 mm passt nicht auf 130 x 70 mm.
Strom und Daten trennen
In vielen Brüstungskanälen laufen 230-V-Leitungen und Datenleitungen nebeneinander. Damit sich beide nicht stören, werden sie in getrennten Kammern geführt. Die Trennwand im Kanal schafft diese Kammern. Welche Abstände und Trennungen zwischen Energie- und informationstechnischen Leitungen nötig sind, regelt DIN EN 50174-2. Die Anforderungen hängen vom Kabeltyp und von der Schirmung ab, deshalb legt sie der Planer oder die Fachkraft für das konkrete Projekt fest.
Praktisch heißt das: Plane den Kanal gleich so groß, dass beide Züge mit Trennwand hineinpassen. Ein späteres Nachrüsten ist umständlicher als die richtige Größe von Anfang an.
Montagehöhe und Befestigung
Eine feste Normhöhe für Brüstungskanäle gibt es nicht. Üblich ist eine Höhe über der Tischplatte, sodass Stecker zugänglich bleiben und Kabel nicht über die Tischkante hängen. Stimme die Höhe mit der Möblierung ab, bevor die ersten Bohrlöcher gesetzt werden. Fensterbänke, Heizkörper unter dem Fenster und Türen bestimmen oft, wo der Kanal unterbrochen oder umgelenkt werden muss.
Befestigt wird das Unterteil mit Dübeln und Schrauben, die zum Untergrund passen. Den Abstand der Befestigungspunkte und die Lochbilder nennt der Hersteller. In Trockenbauwänden brauchst du Hohlraumdübel oder eine Unterkonstruktion.
Was du selbst machen kannst und was die Fachkraft macht
Das Ausmessen, Zuschneiden und Montieren des leeren Kanals kannst du mit handwerklichem Geschick selbst übernehmen. Das Errichten und Ändern der elektrischen Anlage hinter dem Hausanschluss übernimmt ein beim Netzbetreiber eingetragener Elektroinstallationsbetrieb (§ 13 NAV): Leitungen anschließen, Steckdosen verdrahten, Stromkreise absichern und metallische Kanäle nach Bedarf erden. Vor der Inbetriebnahme prüft die Elektrofachkraft die Anlage nach DIN VDE 0100-600. Für Datenleitungen gilt: Auflegen und Messen der Netzwerkdosen erledigt am besten der Fachbetrieb, der auch die Verkabelung abnimmt.
Wenn du in einem Zug die Wandgeräte erneuern willst, findest du Hinweise zur Auswahl im Ratgeber Schalter und Steckdosen modernisieren.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Brüstungskanal und Kabelkanal?
Ein einfacher Kabelkanal führt nur Leitungen. Ein Brüstungskanal ist ein Geräteeinbaukanal: Er hat ein Oberteil mit Öffnung, in das Steckdosen, Schalter und Datendosen eingebaut werden.
Welche Größe brauche ich für ein Büro mit mehreren Arbeitsplätzen?
Das hängt von der Zahl der Leitungen, der Einbautiefe der Geräte und der Trennung von Strom und Daten ab. Für mehrere Arbeitsplätze mit Netzwerk ist eine Ausführung im Format 130 x 70 mm mit Trennwand oft die sicherere Wahl als 110 x 70 mm. Rechne mit Reserve für spätere Leitungen.
Kann ich normale Unterputz-Steckdosen in den Brüstungskanal einbauen?
Beim OBO-GK-Kanal nehmen die Geräteeinbaudosen der Serie 71GD laut Hersteller Schalterprogramme in Tragring- und Tragbügelbauweise sowie Modul-45-Geräte auf. Bei anderen Systemen gilt das Datenblatt des Kanalherstellers.
Darf ich den Brüstungskanal selbst montieren?
Den leeren Kanal ja. Das Anschließen von Leitungen und Steckdosen am 230-V-Netz und die Prüfung der Anlage übernimmt ein eingetragener Elektroinstallationsbetrieb.
Kunststoff oder Stahl, was ist besser?
Kunststoff ist leichter zu verarbeiten und für Büros üblich. Stahl ist robuster und für Werkstätten oder stoßbelastete Bereiche gedacht. Ob er geerdet werden muss, entscheidet die Fachkraft nach Herstellerangabe.