NYM oder NYY: welches Kabel für Keller, Garage, Außenwand und Erdreich

NYM oder NYY ist die Frage nach dem richtigen Leitungstyp, sobald Strom den Wohnraum verlässt: NYM-J ist die graue Mantelleitung für die Installation im Gebäude, NYY-J das schwarze Erdkabel für Erdreich, Außenwand und Freiluft. Beide führen 230/400 V, beide gibt es in denselben Querschnitten, und trotzdem darf die eine dort nicht liegen, wo die andere hingehört. Dieser Ratgeber sortiert die typischen Fälle: Keller, Garage, Außenwand, Gartenhaus und Erdverlegung.

Was die Kurzzeichen bedeuten

Die Buchstaben sind ein Baukasten nach DIN VDE. Das N steht für Normleitung, Y für PVC, M für Mantelleitung. NYM ist also eine PVC-isolierte Mantelleitung mit PVC-Mantel. Bei NYY steht das zweite Y für den PVC-Außenmantel eines Kabels, nicht einer Leitung, und genau hier liegt der Unterschied in der Sprache der Elektrotechnik: Ein Kabel ist für Erdreich und Wasser gebaut, eine Leitung für das Gebäude. Der Anhang J bedeutet mit grün-gelbem Schutzleiter, O ohne. NYM-J 5x2,5 hat also fünf Adern mit 2,5 mm², eine davon grün-gelb.

Welcher Querschnitt zu welcher Absicherung passt, ist bei beiden Typen dieselbe Rechnung. Die Tabelle dazu steht im Ratgeber NYM-Querschnitte und Strombelastbarkeit.

NYM-J: wo die Mantelleitung liegen darf

NYM-J ist für die Nennspannung 300/500 V ausgelegt und für trockene, feuchte und nasse Räume zugelassen. Sie darf unter Putz, auf Putz, im Mauerwerk, offen auf der Wand, im Kabelkanal oder im Leerrohr liegen. Im Beton ist sie erlaubt, aber nicht direkt eingebettet in Rüttel-, Schüttel- oder Stampfbeton. Damit deckt sie den kompletten Innenausbau ab: Wohnräume, Bad, Keller, Waschküche, Heizungsraum.

Zwei Grenzen gelten: NYM gehört nicht ins Erdreich und nicht dauerhaft in die Sonne. Der hellgraue PVC-Mantel ist nicht UV-stabilisiert und wird im Freien mit den Jahren spröde. Im Außenbereich ist NYM nur dort in Ordnung, wo ein Rohr oder ein geschlossener Kanal die Leitung vor Sonne und mechanischer Belastung schützt. Was für Leerrohre bei Verlegung und Biegeradius gilt, steht im Beitrag Leerrohr verlegen: M20 oder M25.

NYY-J: das Erdkabel und seine Reserven

NYY-J ist ein Starkstromkabel mit 0,6/1 kV Nennspannung nach DIN VDE 0276-603. Der schwarze Mantel ist witterungsbeständig, das Kabel darf im Erdreich, im Freien, in Beton und in Wasser liegen. Innen ist es ebenfalls erlaubt, nur teurer und steifer als NYM. Der größere Biegeradius und der dickere Mantel machen es in Unterputzdosen und flachen Kanälen unhandlich. Deshalb gilt: NYM drinnen, NYY sobald die Leitung das Gebäude verlässt oder in den Boden geht.

Für die Erdverlegung haben sich klare Regeln eingebürgert: Üblich sind 60 cm Überdeckung, unter Fahrbahnen und Einfahrten 80 cm. Wer flacher verlegen muss, braucht zusätzlichen mechanischen Schutz und eine fachliche Planung. Das Kabel liegt in einem Sandbett, darüber kommt ein Warnband, bei mechanischer Belastung zusätzlich eine Kabelabdeckhaube oder ein Kabelschutzrohr. Verbindungen im Erdreich sind zu vermeiden; wenn es nicht anders geht, nur mit einer für die Erdverlegung geeigneten Muffe, montiert nach Herstellerangabe. Wie Tiefe, Schutzrohr und Blitzschutz zusammenspielen, zeigt am Beispiel Netzwerk der Beitrag Netzwerkkabel im Außenbereich verlegen. Die Grundsätze gelten für das Stromkabel genauso.

Keller und Waschküche

Der Keller ist je nach Feuchte ein trockener oder ein feuchter Raum, aber kein Außenbereich. NYM-J reicht, verlegt auf Putz im Kabelkanal oder in Schellen. Entscheidend ist nicht die Leitung, sondern das Zubehör: Die Schutzart richtet sich nach der Beanspruchung am Montageort, in feuchten Kellern mindestens IP44, in Waschküchen mit Spritzwasser besser IP54 oder IP65. Eine Abzweigdose IP54 mit M25-Einführungen ist der Standard für die Verteilung an der Kellerdecke. Ist die Wand dauerhaft feucht, gehört die Installation auf Abstandsschellen, damit Luft hinter Kanal und Dose zirkuliert.

Garage und Carport

In der geschlossenen Garage gilt dasselbe wie im Keller: NYM-J auf Putz, Zubehör ab IP44, alle Steckdosen über einen FI-Schutzschalter mit 30 mA Auslösestrom. Für die Beleuchtung sind Feuchtraumleuchten wie die LED-Feuchtraumleuchte MISTRAL IP66 die richtige Wahl, weil sie Staub, Spritzwasser und Kondenswasser nach dem Waschen abkönnen.

Beim offenen Carport ändert sich die Lage. Sobald Regen und Sonne die Leitung erreichen, ist es Außenbereich: entweder NYY-J direkt auf der Wand oder NYM-J im UV-beständigen Rohr. Steckdosen und Schalter am Carport brauchen IP44 mit Klappdeckel, bei direkter Bewitterung IP54.

Außenwand und Gartenhaus

Für den Weg vom Hausverteiler ins Gartenhaus ist NYY-J der Regelfall: aus dem Gebäude durch die Wand, im Erdreich in 60 cm Tiefe, im Gartenhaus wieder auf einen kleinen Verteiler mit eigenem FI-Schalter. Zwei Punkte werden dabei oft unterschätzt. Erstens der Spannungsfall: Bei 30 oder 40 m Strecke und 16 A Absicherung wird aus 1,5 mm² schnell 2,5 mm² oder 4 mm², damit am Ende noch ausreichend Spannung ankommt. Zweitens der Wandeintritt: Die Einführung ins Gebäude und in das Gartenhaus muss dicht sein. Die passende Verschraubung richtet sich nach Gewinde, Klemmbereich und Schutzart; das Sortiment findest du unter Kabelverschraubungen.

Wird die Außenwand nur entlanggeführt, ohne Erdverlegung, ist NYY-J ebenfalls die saubere Lösung: Aufputz in UV-beständigen Schellen, Abzweigungen in einer Abzweigdose IP65 mit M25-Verschraubungen. NYM-J gehört hier nur ins Rohr.

Verlegen: Temperatur, Biegeradius, Sortiment

PVC wird bei Kälte hart. Die untere Verlegetemperatur steht im Datenblatt und unterscheidet sich je nach Hersteller und Typ: Für NYY-J nennen viele Hersteller minus 5 °C, für NYM-J teils plus 5 °C. Wer im Winter darunter biegt, reißt den Mantel an der Innenseite der Biegung. Der Mindestbiegeradius steht im Datenblatt der Leitung; bei NYM ist er ein Vielfaches des Außendurchmessers, bei NYY deutlich größer. Wer das Kabel mit Gewalt um die Ecke zwingt, verkleinert den Abstand zwischen den Adern und riskiert einen späteren Isolationsfehler.

Mantelleitungen, Erdkabel und das passende Zubehör findest du gesammelt in der Kategorie Kabel und Verbindungstechnik.

Was du selbst darfst und was nicht

Gräben ausheben, Leerrohre und Kanäle vorbereiten kannst du in Abstimmung mit dem Elektrobetrieb in Eigenleistung übernehmen. Das Verlegen der Leitungen, der Anschluss an den Verteiler, das Setzen von FI- und Leitungsschutzschaltern und die Prüfung der fertigen Anlage liegen in der Verantwortung eines Elektroinstallationsbetriebs; Arbeiten an der Anlage hinter dem Hausanschluss darf nach § 13 NAV nur ein beim Netzbetreiber eingetragenes Unternehmen ausführen. Nach dem Anschluss folgt die Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600: Besichtigen, Erproben und Messen, unter anderem Durchgängigkeit des Schutzleiters, Isolationswiderstand und Auslöseprüfung des FI-Schalters. In gewerblichen Anlagen kommt die Wiederholungsprüfung nach DGUV Vorschrift 3 dazu. Wer ein Erdkabel ohne Prüfung in Betrieb nimmt, hat im Schadensfall keinen Nachweis für eine ordnungsgemäße Installation.

Häufige Fragen

Darf NYM im Erdreich liegen, wenn es im Leerrohr steckt?

Nein. Das Rohr schützt mechanisch, aber nicht gegen dauerhafte Feuchte im Boden, und NYM ist für 300/500 V und Gebäude ausgelegt. Im Erdreich gehört NYY-J oder ein gleichwertiges Erdkabel hinein, mit oder ohne Schutzrohr.

Kann ich NYY-J auch komplett im Haus verwenden?

Ja, das ist zulässig. Es ist aber steifer, dicker und teurer als NYM-J und passt schlecht in Unterputzdosen. Sinnvoll ist NYY innen nur, wenn eine Strecke ohne Unterbrechung von draußen weiterläuft und du keine Muffe setzen willst.

Welche Tiefe braucht ein Erdkabel im Garten?

Üblich sind 60 cm unter Rasen und Beeten und 80 cm unter Wegen und Einfahrten, die befahren werden. Darüber ein Warnband, darunter ein Sandbett. Ein zusätzliches Kabelschutzrohr erleichtert später den Austausch ohne neuen Graben.

Reicht IP44 für Steckdosen an der Außenwand?

IP44 ist die Untergrenze für spritzwassergeschützte Installationen und reicht unter einem Dachüberstand. Bei direkter Bewitterung und Schlagregen ist IP54 oder IP65 die bessere Wahl, und in jedem Fall gehört die Steckdose hinter einen FI-Schalter mit 30 mA.

Was bedeutet das J bei NYM-J und NYY-J?

J steht für eine Leitung mit grün-gelbem Schutzleiter. O bedeutet ohne Schutzleiter. In der Hausinstallation wird fast immer die J-Ausführung verwendet, weil jeder Stromkreis einen Schutzleiter braucht.

Vorausgehend Neben