Kältemittelleitung verlegen heißt, zwei weichgeglühte Kupferrohre vom Innengerät zum Außengerät zu führen, ohne sie zu knicken, zu verschmutzen oder ungedämmt zu lassen. Die Rohre transportieren bei einer Split-Klimaanlage das Kältemittel unter Druck; jede Delle verengt den Querschnitt, jeder offene Rohrstutzen zieht Feuchtigkeit ins System. Dieser Ratgeber beschreibt den Weg durch Wand, Fassade und Leerrohr, die Befestigung, den Umgang mit Biegungen und Höhenunterschieden und die Grenze, ab der die Kälte-Sachkunde übernimmt.
Welche Leitung verlegt wird
Bei Split-Geräten sind es immer zwei Rohre: die dünne Flüssigkeitsleitung und die dickere Gasleitung, meist 6,35 und 9,52 mm (1/4 und 3/8 Zoll) oder 6,35 und 12,7 mm (1/4 und 1/2 Zoll). Beide werden als isolierte Doppelleitung von der Rolle verlegt, etwa eine Kältemittelleitung DKR612I, bei der beide Rohre bereits einzeln in geschlossenzelliger Dämmung stecken. Welcher Durchmesser zu welchem Gerät passt und wie der Bördelanschluss am Ende aussieht, steht im Grundlagenbeitrag Kältemittelleitung bei Split-Klimaanlagen: Durchmesser, Länge und Bördelanschluss. Der Durchmesser ist keine Wahl, er steht in der Anleitung des Herstellers.
Die Strecke planen: kurz, gerade, wenige Bögen
Bevor das erste Rohr von der Rolle kommt, ist die Trasse festgelegt: vom Innengerät hinter die Wand, durch den Wanddurchbruch, an der Fassade herunter zur Konsole. Jeder Bogen kostet Druckverlust und ist eine Stelle, an der das Rohr knicken kann. Die Faustregel: so kurz wie möglich, so wenig Richtungswechsel wie nötig, und alle Bögen mit großem Radius. Die maximale Leitungslänge und der zulässige Höhenunterschied zwischen Innen- und Außengerät stehen im Datenblatt des Geräts; darüber hinaus ist der Ölrücklauf zum Verdichter nicht gesichert. Ab einer herstellerspezifischen Länge braucht die Anlage zusätzlich Kältemittel, auch innerhalb der zulässigen Gesamtlänge. Länge, Höhenunterschied und Füllmengenkorrektur werden deshalb getrennt nach Anleitung geprüft.
Zum Rohr gehören drei weitere Wege, die dieselbe Trasse nutzen: das Kondensat, das Verbindungskabel zwischen den Geräten und bei Bedarf ein Steuerkabel. Das Kondensat braucht Gefälle und darf nicht mit in die Rohrdämmung. Das Verbindungskabel läuft parallel im selben Kanal, aber als eigene Leitung.
Durch die Wand
Der Durchbruch ist der einzige Punkt, an dem die Leitung durch die Gebäudehülle geht. Er wird mit leichtem Gefälle nach außen gebohrt, damit kein Wasser in die Wand läuft, mit einem Hülsrohr ausgekleidet, damit die Dämmung nicht an der Bohrkante aufreißt, und im Ringspalt dauerhaft wetterdicht abgedichtet. Das Kondensat läuft nicht frei durch die Öffnung, sondern über den eigenen Kondensatschlauch ab. Durchmesser, Gefälle und Abdichtung sind im Beitrag Wanddurchbruch für die Split-Klimaanlage beschrieben. Beim Durchziehen bleiben die Rohrenden verschlossen: Kappen drauf oder mit Klebeband abgedichtet, sonst landen Bohrstaub und Mörtelreste im Rohr.
Biegen ohne Knick
Kälte-Kupfer lässt sich von Hand biegen, und genau das ist die häufigste Fehlerquelle. Sobald der Radius zu eng wird, faltet sich die Innenseite, der Querschnitt bricht ein und das Rohr ist unbrauchbar. Ein geknicktes Rohr wird nicht zurückgebogen; das beschädigte Stück muss ersetzt werden. Deshalb: Biegefeder oder Biegezange in der passenden Größe verwenden, den Bogen in einem Zug und mit dem Radius aus der Herstellerangabe legen, und die Dämmung erst nach dem Biegen an der Stelle wieder schließen. Nahe am Bördelanschluss wird nicht mehr gebogen; die letzten Zentimeter vor der Bördelmutter bleiben gerade, damit die Bördelfläche sauber auf dem Konus sitzt.
Das Rohr wird während der gesamten Verlegung nur mit dem Rohrschneider getrennt, nie mit der Säge, und die Schnittkante wird entgratet, ohne dass Späne ins Rohr fallen. Dazu das Rohrende beim Entgraten nach unten halten.
Befestigen an Wand und Fassade
Die Leitung hängt nicht am Gerät, sondern an der Wand. Innen und außen wird sie in Rohrschellen gefasst, die die Dämmung nicht zusammendrücken. Dafür gibt es Rohrträger mit eingelegter Dämmschicht, zum Beispiel der Armaflex-Rohrträger FX-2-10/12, bei dem die Schelle außen auf einem tragfähigen Dämmkörper sitzt und die Kältebrücke an der Befestigung vermieden wird. Eine normale Metallschelle direkt auf dem Kupfer quetscht die Dämmung und lässt an dieser Stelle Schwitzwasser entstehen.
Das Außengerät selbst steht auf einer Konsole, etwa einer Wandhalterung WKA465W, oder auf einem Bodenfundament. Die Rohre kommen spannungsfrei und mit zulässigem Biegeradius am Gerät an, geführt nach der Geräteanleitung, damit die Schwingungen des Verdichters nicht auf den Bördelanschluss wirken. Aufstellort, Abstände zur Wand und der Schallschutz sind ein eigenes Thema und stehen in der Anleitung des Geräts.
Leerrohr, Kanal oder sichtbar
An der Fassade sind drei Wege üblich. Sichtbar in Schellen ist schnell, aber die Dämmung braucht dann eine UV-beständige Ummantelung, sonst zerfällt sie in wenigen Jahren. Der Klimakanal aus Kunststoff nimmt Rohre, Kondensatschlauch und Verbindungskabel gemeinsam auf, schützt vor Sonne und sieht sauber aus. Das Leerrohr ist die dritte Variante, vor allem bei Neubauten, wo die Trasse im Rohbau eingelegt wird: Hier zählt ein Innendurchmesser, durch den die gedämmte Doppelleitung samt Kondensatschlauch ohne Zug passt, und ein Biegeradius, der die Rohre nicht knickt. Kanal und Rohr gehören in die Bauplanung, bevor die Fassade gedämmt wird; nachträglich ist es eine Stemmarbeit.
Kanäle, Konsolen, Dämmung und Kleinteile für die Trasse sind in der Kategorie Klimatechnik-Zubehör gesammelt.
Dämmung durchgehend und lückenlos
Beide Rohre werden einzeln gedämmt, von der Bördelmutter am Innengerät bis zur Bördelmutter am Außengerät. Jede Lücke, jeder Stoß ohne Klebung und jede gequetschte Stelle ist ein Punkt, an dem Luftfeuchtigkeit am kalten Rohr kondensiert und Wasser an die Wand tropft. Stöße werden mit Kontaktkleber verschlossen oder mit Dämmklebeband überlappend gewickelt. Welche Dämmstärke bei welcher Umgebung nötig ist und warum offenzellige Dämmung nicht taugt, erklärt der Beitrag Kälteleitung dämmen: welche Dämmstärke gegen Schwitzwasser.
Wo die Sachkunde beginnt
Das Rohr verlegen, befestigen und dämmen ist Mechanik und darf jeder ausführen, der sorgfältig arbeitet. Alles danach nicht: Bördeln und Anziehen mit Drehmoment, Druckprobe mit Stickstoff, Vakuumieren, Öffnen der Ventile am Außengerät und Inbetriebnahme sind Arbeiten an einem Kältekreis mit fluoriertem Kältemittel. R32 ist ein F-Gas; Eingriffe daran erfordern die Zertifizierung nach der Chemikalien-Klimaschutzverordnung. Ein Kältekreis, der ohne Vakuum in Betrieb geht, hat Luft und Feuchte im System, verliert Leistung und frisst mit der Zeit den Verdichter. Hebe den Nachweis der Fachinstallation auf: Viele Hersteller knüpfen ihre freiwillige Garantie an konkrete Bedingungen, die gesetzliche Gewährleistung ist davon getrennt. Der elektrische Anschluss des Geräts gehört zusätzlich in die Hand einer Elektrofachkraft.
Split-Geräte, Leitungen und Zubehör findest du in der Kategorie Klimatechnik.
Häufige Fragen
Darf die Kältemittelleitung mit dem Stromkabel im selben Kanal liegen?
Ja, das ist bei Split-Klimaanlagen die übliche Ausführung. Verbindungskabel, Kondensatschlauch und die gedämmte Doppelleitung laufen gemeinsam im Klimakanal. Das Kabel liegt dabei als eigene Leitung im Kanal, nicht innerhalb der Rohrdämmung.
Was passiert, wenn das Rohr geknickt ist?
Ein Knick verengt den Querschnitt, erhöht den Druckverlust und ist eine Schwachstelle für Risse. Der beschädigte Abschnitt wird ersetzt; zusätzliche Verbindungen in der Strecke setzt nur der Kältefachbetrieb nach Herstellervorgabe. Zurückbiegen hilft nicht, die Falte bleibt im Material.
Wie lange dürfen die Rohrenden offen bleiben?
Gar nicht. Offene Rohrenden ziehen Luftfeuchte und Schmutz ins System. Während der gesamten Verlegung bleiben die Enden mit Kappen oder Klebeband verschlossen und werden erst unmittelbar vor dem Bördeln geöffnet.
Muss die Leitung außen im Kanal liegen?
Nein, aber die Dämmung braucht im Freien einen UV-Schutz. Ohne Kanal ist das eine UV-beständige Ummantelung oder ein entsprechendes Klebeband über der gesamten Länge. Der Kanal ist die dauerhaftere und optisch ruhigere Lösung.
Darf ich die Rohre selbst anschließen, wenn die Anlage vorgefüllt ist?
Nein. Vorgefüllt bedeutet nur, dass das Kältemittel im Außengerät wartet. Bördeln, Druckprobe, Vakuumieren und das Öffnen der Ventile sind Eingriffe am Kältekreis und bleiben bei fluorierten Kältemitteln dem zertifizierten Betrieb vorbehalten.