Kälteleitung dämmen: welche Dämmstärke gegen Schwitzwasser

Eine Kältedämmung ist eine geschlossenzellige Dämmung, deren Aufgabe nicht der Wärmeschutz ist, sondern die Abwehr von Tauwasser: Sie hält die Oberflächentemperatur der Dämmung über dem Taupunkt der Raumluft und verhindert gleichzeitig, dass Wasserdampf von außen bis an das kalte Rohr diffundiert.

Das ist der entscheidende Unterschied zur Heizungsdämmung. Bei einer warmen Leitung geht ohne Dämmung Energie verloren. Bei einer kalten Leitung entsteht ohne die richtige Dämmung Wasser - an der Rohroberfläche, im Dämmstoff selbst oder am Deckendurchbruch darunter. Und nasser Dämmstoff dämmt nicht mehr, sondern beschleunigt den Schaden.

Warum 6 Millimeter nicht reichen

Das Gebäudeenergiegesetz nennt in Anlage 8 für Kälteverteilungs- und Kaltwasserleitungen sowie Armaturen von Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen eine Mindestdämmdicke von 6 Millimetern, bezogen auf eine Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(m·K). Das ist ein gesetzlicher Mindestwert für die Energieeffizienz - kein Auslegungswert gegen Tauwasser.

Die tauwassersichere Dämmstärke ergibt sich aus drei Größen: der Medientemperatur im Rohr, der Umgebungstemperatur und der relativen Luftfeuchte am Verlegeort. Je wärmer und feuchter die Umgebung, desto dicker muss die Dämmung sein. Ein Rohr in einem trockenen, klimatisierten Technikraum braucht weniger als dasselbe Rohr in einem feuchten Kellerabgang oder im Freien an einem schwülen Sommertag.

In der Praxis landen Kältemittelleitungen von Split-Anlagen deshalb meist bei 13 bis 19 Millimetern Wandstärke, nicht bei 6. Die Hersteller liefern zu jedem Produkt Auslegungstabellen oder Rechner, in die Du Rohrdurchmesser, Umgebungsbedingungen und gewünschte Sicherheit einträgst. Diese Tabelle ist die Grundlage, nicht die Faustregel. Das gleiche Prinzip in umgekehrter Richtung erklärt der Beitrag zur GEG-Dämmpflicht für Heizungsleitungen.

Der Dämmstoff muss geschlossenzellig sein

Mineralwolle ist für Kälteleitungen ungeeignet. Sie ist offenporig, nimmt Feuchtigkeit auf und verliert damit genau die Eigenschaft, wegen der sie montiert wurde. Was gebraucht wird, ist ein Werkstoff mit einem sehr hohen Widerstand gegen Wasserdampfdiffusion - in der Kältetechnik ist das geschlossenzelliger Elastomerschaum, umgangssprachlich meist nach dem bekanntesten Markennamen Armaflex benannt.

Der Dämmstoff wirkt dabei selbst als Dampfbremse. Das funktioniert aber nur, solange diese Bremse geschlossen ist. Jede offene Naht, jeder nicht verklebte Stoß und jeder Riss ist eine direkte Verbindung von der feuchten Raumluft zum kalten Rohr. Dort kondensiert Wasser im Inneren der Dämmung, unsichtbar von außen, bis es unten am Rohr heraustropft.

Ein Dämmschlauch mit 13 Millimeter Wandstärke und werkseitiger Folienummantelung nimmt Dir gleich zwei Arbeitsschritte ab: Die Ummantelung schützt mechanisch und übernimmt bei Außenverlegung den UV-Schutz. Die weitere Auswahl nach Rohrdurchmesser und Wandstärke findest Du bei der Rohrisolierung.

Verkleben ist kein optionaler Arbeitsschritt

Bei einer Heizungsdämmung ist eine offene Längsnaht ein Schönheitsfehler. Bei einer Kältedämmung ist sie der Anfang eines Schadens. Längsnähte und Stöße werden deshalb vollflächig mit einem für den Dämmstoff freigegebenen Kleber verklebt - nicht punktuell, nicht nur an den Enden.

Beachte die Ablüftzeit des Klebers. Wird zu früh gefügt, bleibt Lösemittel in der Naht und die Verbindung öffnet sich später wieder. Wird zu spät gefügt, hält sie gar nicht. Die Angaben stehen auf der Dose und hängen von Temperatur und Luftfeuchte ab.

Ein Isolierband ist die Ergänzung, nicht der Ersatz. Es sichert Nahtbereiche zusätzlich ab, schützt Übergänge und schließt Stellen, an denen eine durchgehende Verklebung nicht möglich ist. Eine mit Klebeband überbrückte, aber unverklebte Naht bleibt eine Schwachstelle.

Die Schelle darf die Dämmung nicht quetschen

Eine normale Rohrschelle direkt auf dem Dämmschlauch drückt den Schaum zusammen. An dieser Stelle sinkt die wirksame Dämmstärke, die Oberflächentemperatur fällt unter den Taupunkt und genau dort bildet sich Wasser. Für Kälteleitungen gibt es Schellen mit Dämmeinlage oder Rohrträger aus druckfestem Dämmmaterial, die die Last aufnehmen, ohne die Dämmschicht zu unterbrechen.

Beide Leitungen einzeln dämmen

Bei einer Split-Anlage laufen Saug- und Flüssigkeitsleitung nebeneinander. Im Kühlbetrieb ist die Saugleitung die kalte, im Heizbetrieb dreht sich das Temperaturverhältnis um - eine Klimaanlage mit Wärmepumpenfunktion führt also je nach Jahreszeit auf beiden Leitungen Temperaturen, die von der Umgebung abweichen.

Deshalb werden beide Leitungen getrennt gedämmt und nicht gemeinsam in einen Schlauch gesteckt. Liegen sie ungedämmt aneinander, tauschen sie Wärme untereinander aus, was die Anlagenleistung mindert. Und eine gemeinsame Dämmung um zwei Rohre lässt sich an den Zwickeln nicht dicht ausführen.

Die Durchmesser der beiden Leitungen unterscheiden sich, entsprechend brauchst Du zwei Schlauchgrößen. Welche Querschnitte bei welcher Leitungslänge vorgesehen sind, klärt der Beitrag zu Durchmesser, Länge und Bördel.

Außenverlegung: UV ist der Feind

Schwarzer Elastomerschaum ohne Schutzschicht wird unter direkter Sonneneinstrahlung mit der Zeit spröde, reißt auf und verliert seine Dampfbremswirkung. Für die Strecke zwischen Wanddurchführung und Außengerät brauchst Du deshalb eine UV-beständige Ausführung, eine Folien- oder Blechummantelung oder einen dafür vorgesehenen Schutzanstrich.

Der zweite Punkt draußen ist die Wanddurchführung selbst. Sie muss so ausgeführt sein, dass die Dämmung durchgehend bleibt und Wasser nach außen ablaufen kann, nicht nach innen. Zusammen mit der Kältemittelleitung läuft in der Regel auch die Kondensatleitung - wie deren Gefälle und Siphon auszuführen sind, steht im Beitrag zum Kondensatablauf. Passendes Montagezubehör gehört von Anfang an in die Materialliste.

Reihenfolge auf der Baustelle

Der Dämmschlauch wird vor dem Verlegen über die Leitung geschoben, nicht nachträglich längs aufgeschlitzt und übergestülpt. Geschlitzt und wieder verklebt hält zwar, aber jede zusätzliche Naht ist eine zusätzliche Schwachstelle - bei langen Strecken lohnt sich die Mühe des Aufschiebens.

Gedämmt wird außerdem erst, nachdem die Druckprobe abgeschlossen ist. Eine Verbindung, die unter Dämmung liegt, lässt sich nicht mehr auf Dichtheit prüfen und im Leckagefall nur mit Aufwand freilegen. Bördel- und Lötstellen bleiben deshalb bis zur bestandenen Prüfung zugänglich und werden danach sauber eingedämmt.

Am Ende zählt die Lückenlosigkeit mehr als jeder Millimeter Wandstärke. Eine durchgehend 13 Millimeter starke, sauber verklebte Dämmung ist besser als eine 19 Millimeter starke mit drei offenen Nähten. Passende Geräte und Zubehör dazu liegen in der Klimatechnik.

Häufige Fragen

Welche Dämmstärke brauche ich für eine Split-Klimaanlage?
Die 6 Millimeter aus GEG Anlage 8 sind der gesetzliche Mindestwert, nicht die tauwassersichere Auslegung. In der Praxis liegen Kältemittelleitungen meist bei 13 bis 19 Millimetern; maßgeblich sind Medientemperatur, Umgebungstemperatur und relative Luftfeuchte nach der Herstellertabelle.

Kann ich Mineralwolle für Kälteleitungen verwenden?
Nein. Mineralwolle ist offenporig und nimmt Feuchtigkeit auf. Für Kälteleitungen braucht es einen geschlossenzelligen Dämmstoff, der zugleich als Dampfbremse wirkt.

Muss ich die Nähte wirklich verkleben?
Ja. Eine offene Naht ist ein direkter Diffusionsweg von der Raumluft zum kalten Rohr. Das Wasser kondensiert dann innerhalb der Dämmung, wo es von außen zunächst nicht sichtbar ist.

Warum tropft es trotz Dämmung?
Meist steckt einer von drei Punkten dahinter: zu geringe Dämmstärke für die tatsächliche Luftfeuchte, eine nicht verklebte Naht oder eine Schelle, die den Dämmschlauch zusammendrückt. An gequetschten Stellen fällt die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt.

Reicht schwarzer Dämmschlauch für die Außenstrecke?
Nicht ohne Schutz. Unter UV-Einstrahlung wird das Material spröde und reißt auf. Draußen brauchst Du eine UV-beständige Ausführung, eine Ummantelung oder einen geeigneten Schutzanstrich.

Vorausgehend Neben