Die Wartung einer Split-Klimaanlage besteht aus zwei getrennten Teilen: der regelmäßigen Reinigung, die der Betreiber weitgehend selbst übernehmen kann, und der gesetzlich geregelten Dichtheitsprüfung am Kältekreis, die einem zertifizierten Betrieb vorbehalten ist. Wer beides in einen Topf wirft, zahlt entweder zu viel oder übersieht eine Pflicht.
Die häufigste Frage im Gespräch lautet: Muss meine Anlage jährlich geprüft werden? Für die meisten Split-Klimaanlagen im Wohnbereich lautet die Antwort nein - und das lässt sich am Typenschild nachrechnen.
Dichtheitsprüfung: die Grenze ist das CO2-Äquivalent
Die Prüfpflicht hängt nicht an der Kilowattzahl des Geräts, sondern an der Füllmenge des Kältemittels, umgerechnet in Tonnen CO2-Äquivalent. Die F-Gas-Verordnung (EU) 2024/573 setzt die Intervalle gestaffelt an:
- ab 5 Tonnen CO2-Äquivalent: mindestens jährlich
- ab 50 Tonnen: mindestens halbjährlich
- ab 500 Tonnen: mindestens vierteljährlich, zusätzlich ist ein Leckage-Erkennungssystem vorgeschrieben
Ist ein Leckage-Erkennungssystem installiert, halbiert sich die jeweilige Prüfhäufigkeit. Für hermetisch geschlossene Anlagen, die als solche gekennzeichnet sind, beginnt die Prüfpflicht erst bei 10 Tonnen CO2-Äquivalent.
Die Umrechnung ist einfach: Füllmenge in Kilogramm mal GWP des Kältemittels, geteilt durch 1.000. Bei R32 mit einem GWP von 675 werden die 5 Tonnen erst bei rund 7,4 kg Füllmenge erreicht. Bei R410A mit einem GWP von 2088 bereits bei rund 2,4 kg. Eine typische Singlesplit-Anlage im Einfamilienhaus liegt mit ihrer Werksfüllung deutlich darunter - die genaue Menge steht auf dem Typenschild am Außengerät.
Wird die Prüfpflicht erreicht, kommen Aufzeichnungspflichten dazu: Füllmenge, Kältemittelart, Prüfergebnisse, durchgeführte Arbeiten und die ausführende Person werden dokumentiert. Welche Kältemittel in Neuanlagen überhaupt noch zulässig sind, steht im Beitrag zur F-Gas-Verordnung.
Was der Betreiber selbst machen darf
Alles außerhalb des geschlossenen Kältekreises ist zugänglich. Dazu gehören Filterreinigung, Gehäusereinigung, Sichtkontrolle des Kondensatablaufs und die Kontrolle der Luftwege am Außengerät.
Die Luftfilter im Innengerät sind der größte Hebel für den Stromverbrauch. Ein zugesetzter Filter reduziert den Luftvolumenstrom, die Verdampfertemperatur sinkt, im Extremfall vereist der Wärmetauscher. Das Reinigungsintervall gibt der Hersteller vor und richtet sich nach der Betriebszeit und der Staubbelastung im Raum. In der Kühlsaison bei täglichem Betrieb ist eine Kontrolle im Monatsrhythmus üblich. Grobe Filter lassen sich ausspülen und müssen vollständig trocken wieder eingesetzt werden; für die Zwischenreinigung eignet sich ein Filterreiniger.
Am Außengerät zählt vor allem der freie Luftweg. Laub, Pollenfilz und Bewuchs vor dem Verflüssiger senken die Leistung und erhöhen den Verdichtungsdruck. Ein Rückschnitt und das Abkehren der Lamellen kosten wenige Minuten und wirken sofort.
Wo die Grenze zur Sachkunde verläuft
Sobald der Kältekreis geöffnet wird - Bördeln, Evakuieren, Befüllen, Absaugen - greift die Sachkundepflicht. Erforderlich sind ein persönlicher Sachkundenachweis nach der Verordnung (EU) 2015/2067 in der passenden Kategorie und ein zertifizierter Betrieb nach der Chemikalien-Klimaschutzverordnung. Das gilt auch für scheinbar kleine Eingriffe wie das Nachfüllen von Kältemittel.
Auch die Dichtheitsprüfung selbst gehört dorthin. Sie erfolgt nach DIN EN 378 mit direkten oder indirekten Methoden; beim direkten Verfahren kommt ein elektronisches Lecksuchgerät zum Einsatz, das auf die im Kreis verwendete Stoffgruppe abgestimmt sein muss. Ein Universalgerät für alle Kältemittel gibt es nicht.
Die jährliche Fachwartung jenseits der Pflicht
Auch ohne gesetzliche Prüfpflicht ist eine jährliche Wartung sinnvoll. Der Fachbetrieb prüft Betriebsdrücke, Überhitzung und Unterkühlung, kontrolliert Verdampfer und Verflüssiger, misst die Stromaufnahme und sieht sich die elektrische Seite an. Eine schleichende Leckage von wenigen Prozent im Jahr fällt dem Nutzer nicht auf - die Leistung sinkt langsam, der Verdichter läuft länger und heißer.
Zur Fachwartung gehört auch die Reinigung des Verdampfers. Dort setzen sich über die Jahre Staub und Feuchtigkeit ab, was Gerüche und Keimwachstum begünstigt. Ein Verdampferreiniger wird auf den Wärmetauscher aufgebracht und über das Kondensat abgeführt. Passendes Wartungszubehör gehört in jeden Servicekoffer.
Der Kondensatweg wird bei der Wartung mitkontrolliert. Verstopfte Abläufe sind die häufigste Ursache für Wasserschäden an der Innenwand. Wo kein durchgehendes Gefälle möglich ist, übernimmt eine Kondensatpumpe die Förderung - auch sie braucht eine Sichtkontrolle.
Elektrische Seite nicht vergessen
Die Anschlussleitung zwischen Innen- und Außengerät, die Klemmstellen und der zugehörige Endstromkreis gehören zur Anlage. Lose Klemmen, thermisch belastete Aderenden und beschädigte Leitungsisolierungen sind bei Geräten im Außenbereich keine Seltenheit. Geprüft wird nach DIN VDE 0100 beziehungsweise bei wiederkehrenden Prüfungen nach DIN VDE 0105-100.
Ebenfalls wartungsrelevant ist die Isolierung der Kältemittelleitung. UV-Strahlung zersetzt ungeschützte Dämmung innerhalb weniger Jahre, danach entstehen Kondensat und Leistungsverlust. Welche Wandstärke hier richtig ist, klärt der Beitrag zur Dämmung der Kälteleitung.
Häufige Fragen
Muss meine Singlesplit-Anlage jährlich geprüft werden?
Nur wenn die Füllmenge 5 Tonnen CO2-Äquivalent erreicht, bei gekennzeichneten hermetisch geschlossenen Anlagen 10 Tonnen. Bei R32 entspricht das rund 7,4 kg Füllmenge. Die meisten Wohnraumgeräte liegen darunter.
Kann ich die Filter selbst reinigen?
Ja. Filterreinigung, Gehäusereinigung und die Kontrolle der Luftwege am Außengerät sind Betreiberaufgaben. Das Gerät wird vorher spannungsfrei geschaltet.
Darf ich Kältemittel nachfüllen?
Nein. Jeder Eingriff in den Kältekreis setzt Sachkundenachweis und Betriebszertifizierung voraus. Außerdem ist ein Nachfüllen ohne Leckagesuche unzulässig - die Ursache muss zuerst behoben werden.
Woran erkenne ich eine schleichende Leckage?
An sinkender Kälteleistung bei gleicher Einstellung, längeren Laufzeiten und im fortgeschrittenen Fall an Vereisung der dünnen Leitung. Gewissheit bringt nur die Messung durch den Fachbetrieb.
Was kostet die jährliche Wartung?
Das hängt von Gerätetyp, Anzahl der Innengeräte und Zugänglichkeit ab. Eine belastbare Zahl liefert nur ein Angebot für die konkrete Anlage.
Halte die beiden Ebenen deshalb sauber getrennt: Reinigung regelmäßig und selbst, Kältekreis ausschließlich durch den zertifizierten Betrieb. Wer die Füllmenge einmal nachrechnet, weiß danach genau, welche Pflichten für die eigene Anlage gelten - und welche nicht.