Der Wanddurchbruch ist die Öffnung, durch die Kälteleitung, Kondensatablauf und Verbindungsleitung vom Innengerät zum Außengerät einer Split-Klimaanlage geführt werden. Er ist das kleinste Bauteil der ganzen Anlage und zugleich die häufigste Ursache für Wasserschäden, Schimmel und Zugluft - weil er mit zehn Minuten Arbeit erledigt scheint.
Drei Dinge entscheiden über das Ergebnis: der richtige Durchmesser, ein durchgehendes Gefälle nach außen und eine Abdichtung, die Dampfsperre und Dämmebene nicht durchlöchert. Wer diese drei Punkte sauber ausführt, hat später weder Kondensat auf der Fensterbank noch eine feuchte Innenwand.
Welcher Durchmesser wirklich nötig ist
Für eine übliche Wohnraum-Splitanlage mit einem Innengerät werden drei Stränge durch die Wand geführt: die beiden gedämmten Kälteleitungen, der Kondensatschlauch und die elektrische Verbindungsleitung. In der Praxis genügt dafür in fast allen Fällen eine Kernbohrung mit 65 bis 80 mm.
Gängig ist eine Bohrkrone mit 68 mm, weil sich damit auch Leitungsbögen noch durchfädeln lassen, ohne die Dämmung zu quetschen. Bei größeren Geräten, bei Multisplit-Installationen mit mehreren Leitungspaaren oder bei stärkerer Dämmstärke sind 80 bis 100 mm sinnvoller. Passendes Bohrwerkzeug findest du im Werkzeugsortiment.
Zu klein gebohrt zu haben ist der teurere Fehler. Wird die Dämmung beim Durchziehen zusammengedrückt, entsteht genau dort eine kalte Stelle, an der später Schwitzwasser anfällt - unzugänglich in der Wand. Lieber 10 mm mehr Durchmesser und den Ringspalt sauber schließen.
Gefälle: 5 bis 10 Millimeter je Meter
Das Innengerät produziert im Kühlbetrieb Kondensat. Bei einem 3,5-kW-Gerät sind das an einem schwülen Sommertag mehrere Liter am Tag. Dieses Wasser läuft in der Regel drucklos ab - es braucht also Neigung.
Die Wanddurchführung wird deshalb nach außen fallend gebohrt. Als Richtwert dienen 5 bis 10 mm Gefälle je Meter Leitungsweg, mindestens jedoch ein sichtbares Gefälle über die Wandstärke. Bei 36 cm Wandaufbau sind das rund 3 bis 5 mm Höhenunterschied zwischen Innen- und Außenseite.
Wichtig ist das durchgehende Gefälle, nicht die Bohrung allein. Ein Gegengefälle irgendwo im weiteren Verlauf sammelt Wasser in einer Schlaufe, die Anlage gluckert und irgendwann läuft das Kondensat am Innengerät über. Nutze deshalb einen ausreichend dimensionierten Kondensatschlauch und verlege ihn ohne Sackstellen. Wo Gefälle baulich nicht möglich ist, führt kein Weg an einer Kondensatpumpe vorbei - die Details dazu stehen im Beitrag zum Kondensat ableiten.
Wo gebohrt werden darf - und wo nicht
Vor der Bohrung steht die Prüfung des Wandaufbaus. Tabu sind Bereiche mit Elektroleitungen, Wasserführung oder Fußbodenheizungs-Anbindeleitungen. In Installationszonen nach DIN 18015-3 ist mit Leitungen zu rechnen, ebenso oberhalb und seitlich von Schaltern und Steckdosen. Ein Leitungssuchgerät ist Pflicht, kein Komfort.
Statisch relevant sind tragende Wände und Stürze. In einem Sturz oder in einer Stahlbetonstütze wird nicht gebohrt. Bei Fertighäusern mit Holzständerwerk muss die Bohrung zwischen den Ständern liegen und die Dampfbremse wird gezielt mit einer Manschette durchdrungen, nicht einfach durchstoßen. Bei Wärmedämmverbundsystemen ist der Austritt so zu wählen, dass er später nicht hinter einer Fassadenbefestigung liegt.
Bei Mietwohnungen und Eigentümergemeinschaften kommt die rechtliche Seite dazu: Eine Kernbohrung durch die Außenwand ist ein Eingriff in die Gebäudesubstanz und in der Regel zustimmungspflichtig. Das vorab zu klären ist billiger, als sie später zurückzubauen.
Abdichten: außen schlagregendicht, innen luftdicht
Der Ringspalt zwischen Rohrbündel und Bohrung wird auf beiden Seiten geschlossen, aber mit unterschiedlichem Ziel. Außen geht es um Schlagregen und Wind, innen um die luftdichte Ebene des Gebäudes.
Bewährt hat sich dieser Aufbau:
- Hohlraum mit einem dauerelastischen, nicht saugenden Dämmstoff füllen - kein Bauschaum als alleinige Abdichtung, er ist weder UV- noch schlagregenbeständig
- Innen die luftdichte Ebene mit geeignetem Klebeband oder einer Manschette an das Rohrbündel anschließen
- Außen eine Wandabdeckung oder Rosette setzen und die Fuge mit einem UV-beständigen, fassadenverträglichen Dichtstoff schließen
- Leitungsaustritt außen immer unterhalb des Innenaustritts, damit Wasser nach außen und nicht nach innen läuft
Die Dämmung der Kälteleitung läuft dabei lückenlos durch die Wand hindurch. Eine Unterbrechung im Mauerwerk ist eine Kältebrücke, an der die Leitung schwitzt - dort, wo man es erst am Wasserfleck bemerkt. Stoßstellen und Übergänge werden mit Armaflex-Isolierband geschlossen. Welche Dämmstärke jeweils nötig ist, steht im Beitrag zum Dämmen der Kälteleitung. Passendes Zubehör findest du in der Klimatechnik-Zubehör-Auswahl.
Leitungsführung nach dem Durchbruch
Außen wird das Leitungsbündel geordnet geführt, nicht lose an der Fassade hängend. Ein Kabelkanal schützt Dämmung und Kondensatschlauch vor UV-Strahlung und mechanischer Beschädigung und hält Abstände zur Fassade ein. Material dafür liefert das Kabelführungssortiment.
Innen ist der Weg zum Innengerät kurz zu halten. Enge Radien an der Kälteleitung sind zu vermeiden - als Faustwert gilt ein Biegeradius vom Fünffachen des Rohrdurchmessers, geknickte Rohre sind Ausschuss. Welche Durchmesser und Längen zulässig sind, hängt am Gerät und steht im Beitrag zur Kältemittelleitung. Die Auswahl passender Geräte findest du in der Klimatechnik.
Die Verbindungsleitung zwischen Innen- und Außengerät gehört in dasselbe Bündel, aber getrennt geführt vom Kondensatschlauch. Elektrische Leitung und Wasser im selben Kanal ist kein Fehler, solange die Leitung feuchtraumtauglich ausgeführt und die Anlage vorschriftsmäßig abgesichert ist - unschön wird es, wenn ein undichter Schlauch später niemandem auffällt.
Wer darf was
Die Bohrung selbst und die Montage der Wandhalterungen sind mechanische Arbeiten. Zwei Gewerke sind es aber nicht: Der elektrische Anschluss gehört in die Hände eines Elektrofachbetriebs, und jeder Eingriff in den Kältekreis - Bördeln, Vakuumieren, Inbetriebnahme, Dichtheitsprüfung - erfordert eine Sachkunde nach F-Gas-Verordnung.
Das gilt auch für vorbefüllte Split-Geräte in der Standardausführung. Wer ohne diesen Nachweis am Kältekreis arbeitet, verliert im Schadensfall den Versicherungsschutz und riskiert ein Bußgeld. Die Vorbereitung - Durchbruch, Befestigung, Leerrohr, Stromkreis vorbereiten - lässt sich dagegen gut vorziehen und spart am Montagetag Zeit.
Häufige Fragen
Wie groß muss der Wanddurchbruch für eine Split-Klimaanlage sein? Für ein einzelnes Innengerät reichen 65 bis 80 mm, üblich sind 68 mm. Bei Multisplit oder starker Dämmung eher 80 bis 100 mm.
Wie viel Gefälle braucht die Durchführung? 5 bis 10 mm je Meter nach außen fallend, über die Wandstärke also wenige Millimeter. Entscheidend ist, dass der gesamte Kondensatweg ohne Gegengefälle bleibt.
Darf ich die Bohrung mit Bauschaum verschließen? Als alleinige Abdichtung nicht. Bauschaum ist weder UV- noch schlagregenbeständig. Er kann den Hohlraum füllen, die dichtende Ebene wird aber außen mit einem fassadenverträglichen Dichtstoff und innen mit einem Anschluss an die luftdichte Ebene hergestellt.
Kann ich den Durchbruch selbst bohren und den Rest machen lassen? Ja, das ist gängige Praxis. Kläre Position und Durchmesser vorher mit dem ausführenden Betrieb ab, damit die Bohrung zur geplanten Geräteposition und Leitungsführung passt.
Was passiert, wenn die Dämmung in der Wand gequetscht wird? An dieser Stelle fällt die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt und die Leitung schwitzt - innerhalb der Wand, also unbemerkt. Deshalb lieber größer bohren und den Ringspalt nachträglich sauber füllen.