Ein Kältemittel ist der Arbeitsstoff, der im Kältekreis Wärme aufnimmt, verdichtet abgibt und danach wieder entspannt wird. R32 und R290 sind heute die beiden wichtigsten Kandidaten in Klimaanlagen und Wärmepumpen - und sie unterscheiden sich nicht nur im Treibhauspotenzial, sondern vor allem darin, wo und wie das Gerät aufgestellt werden darf.
Kurz vorweg: R32 ist ein einkomponentiger Fluorkohlenwasserstoff (Difluormethan) mit einem Treibhauspotenzial von 675 nach AR4. R290 ist reines Propan mit einem GWP von 3. Zum Vergleich: das lange übliche Gemisch R410A liegt bei 2088. Der Sprung von R410A auf R32 senkt das Treibhauspotenzial also grob um zwei Drittel, der Sprung auf R290 praktisch auf null.
Was R32 und R290 technisch unterscheidet
R32 ist ein Reinstoff. Das hat einen praktischen Vorteil gegenüber Gemischen wie R410A: Bei einer Leckage ändert sich die Zusammensetzung nicht, und es kann nachgefüllt statt komplett getauscht werden. Die Drucklage liegt in derselben Größenordnung wie bei R410A, weshalb sich Gerätetechnik und Werkzeuge weitgehend übertragen lassen.
R290 arbeitet mit deutlich niedrigerem Druck und hat sehr gute thermodynamische Eigenschaften. Wärmepumpen mit Propan erreichen hohe Vorlauftemperaturen mit vergleichsweise günstigen Wirkungsgraden - ein wichtiger Punkt in der Sanierung, wo Heizkörper oft mehr als 55 Grad Vorlauf brauchen. Die Füllmenge je Gerät ist allerdings begrenzt, weil Propan brennbar ist.
Beide Stoffe sind in modernen Geräten anzutreffen. Im Split-Klimabereich dominiert derzeit R32, bei Luft-Wasser-Wärmepumpen setzt sich R290 zunehmend durch, vor allem bei Monoblock-Bauweise.
Sicherheitsklassen A2L und A3 in der Praxis
Kältemittel werden nach Toxizität und Brennbarkeit eingeteilt. R410A gilt als A1, also nicht brennbar. R32 ist A2L: schwer entflammbar, mit geringer Verbrennungsgeschwindigkeit. R290 ist A3: leicht entflammbar, mit einem Zündbereich von etwa 1,7 bis 10,8 Volumenprozent in Luft.
Diese Einstufung entscheidet über Aufstellraum, Mindestraumgröße, zulässige Füllmenge und die Anforderungen an Elektrik und Lüftung. Bei A2L sind die Grenzwerte vergleichsweise moderat, bei A3 deutlich strenger. Deshalb stehen Propan-Wärmepumpen fast immer als Außengerät im Freien, während im Gebäude nur der Wasserkreis geführt wird.
Für die Praxis heißt das: Ein A3-Gerät ist nicht automatisch gefährlicher, aber es lässt weniger Freiheiten beim Aufstellort. Abstände zu Lichtschächten, Kellerfenstern, Kanaleinläufen und tiefer liegenden Öffnungen sind einzuhalten, weil Propan schwerer als Luft ist und sich am Boden sammeln kann.
Wo R290 heute schon Standard ist
Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen in Monoblock-Bauweise ist Propan verbreitet. Der komplette Kältekreis sitzt werkseitig geschlossen im Außengerät, ins Haus geht nur eine Wasserleitung. Damit entfallen die kältetechnischen Arbeiten vor Ort fast vollständig, und es gibt keine Bördel- oder Lötstellen am Kältekreis auf der Baustelle.
Das vereinfacht auch die Elektroseite. Zu planen sind ein eigener, korrekt dimensionierter Stromkreis, die Absicherung in der Verteilung, gegebenenfalls ein Zähler für den Wärmepumpentarif und die Anbindung an ein Energiemanagement. Bei geplanter Steuerbarkeit kommt die Kommunikation mit der Regelung dazu.
Was das für Split-Klimaanlagen bedeutet
Split-Geräte führen Kältemittel in den Raum. Deshalb bleibt hier die Kombination aus Füllmenge und Raumgröße das entscheidende Kriterium. Für R32 als A2L-Stoff sind die zulässigen Füllmengen je Raum bei üblichen Wohn- und Bürogrößen in der Regel unkritisch, müssen aber pro Gerät und Raum nachgewiesen werden - der Hersteller gibt dazu Tabellen vor.
Ein Multisplit-Außengerät mit mehreren Innengeräten braucht diese Betrachtung für jeden angeschlossenen Raum, weil im Fehlerfall die gesamte Füllmenge in einen Raum entweichen könnte. Bei kleinen Räumen wie Serverkammern, Abstellräumen oder Gästezimmern ist das der Punkt, an dem eine Auslegung kippen kann. Auch die Wahl der Bauform spielt hinein: Eine Deckenkassette verteilt die Luft anders als ein Wandgerät, ändert aber nichts an der Füllmengenrechnung.
Leitungen, Dichtheit und Wartung
Bei Split-Anlagen entstehen die meisten Probleme nicht am Kältemittel, sondern an der Verrohrung. Durchmesser, Länge, Höhenunterschied und saubere Bördel bestimmen, ob die Anlage ihre Leistung erreicht. Details dazu stehen im Beitrag Kältemittelleitung bei der Split-Klimaanlage. Passendes Montagezubehör gehört von Anfang an in die Materialliste.
Bei der Dichtheitsprüfung trennen sich die beiden Stoffe deutlich. F-Gase wie R32 unterliegen einer Prüfpflicht ab einer Füllmenge von 5 Tonnen CO2-Äquivalent. Bei einem GWP von 675 entspricht das rund 7,4 Kilogramm Füllmenge - kleinere Wohnanlagen liegen meist darunter, größere Multisplit- und Gewerbeanlagen häufig darüber. R290 ist kein F-Gas, diese CO2-Äquivalent-Rechnung entfällt also. Was regulatorisch sonst noch gilt, ordnet der Beitrag zur F-Gas-Verordnung ein.
Für Arbeiten am Kältekreis mit F-Gasen ist eine Sachkunde nach der EU-Zertifizierungsverordnung erforderlich. Bei R290 greift diese Pflicht nicht, dafür gelten die Anforderungen an den Umgang mit brennbaren Stoffen samt Explosionsschutz. Eigenleistung ist in beiden Fällen keine Option. Zur Fehlersuche und Abnahme gehört außerdem geeignete Messtechnik, nicht nur ein Manometer.
Was beim Kauf zu prüfen ist
Sinnvoll ist die Frage nach dem Einsatzfall, nicht nach dem Kältemittel an sich. Soll gekühlt und im Übergang geheizt werden, ist ein R32-Splitgerät meist die einfachere Lösung. Geht es um Heizen mit hoher Vorlauftemperatur im Bestand, spricht viel für eine Propan-Monoblock-Wärmepumpe im Freien.
Prüfe vor der Bestellung: verfügbare Fläche und Abstände am Aufstellort, Raumgrößen je Innengerät, Leitungswege, Kondensatführung, Schallsituation an der Grundstücksgrenze, Stromkreis und Absicherung. Beim Klimasortiment lohnt es sich, Innengerät, Außengerät und Zubehör als System zu bestellen - gemischte Kombinationen ohne Herstellerfreigabe sind der häufigste Grund für spätere Gewährleistungsdiskussionen.
Und noch ein Punkt aus der Praxis: Ein niedriger GWP-Wert ersetzt keine dichte Anlage. Der größte Umwelt- und Kosteneffekt entsteht durch saubere Montage, korrekte Füllmenge und eine Regelung, die das Gerät nicht dauernd takten lässt.
Häufige Fragen zu R32 und R290
Ist R32 noch zukunftssicher? R32 ist derzeit der Standard bei Split-Klimaanlagen und wird weiter verbaut. Für die Bestandsanlage gilt: Sie darf betrieben, gewartet und nachgefüllt werden. Wie sich die Verfügbarkeit entwickelt, hängt an den Vorgaben der F-Gas-Verordnung.
Darf eine Propan-Wärmepumpe im Keller stehen? Monoblock-Geräte mit R290 sind für die Aufstellung im Freien konzipiert. Eine Innenaufstellung ist nur zulässig, wenn der Hersteller sie ausdrücklich vorsieht und die Anforderungen an Raumgröße, Lüftung und Elektrik erfüllt sind.
Kann ich R410A einfach durch R32 ersetzen? Nein. Öl, Verdichter, Sicherheitskonzept und Auslegung müssen zum Kältemittel passen. Ein Wechsel im Bestandsgerät ist nur mit ausdrücklicher Herstellerfreigabe möglich.
Wie viel Kältemittel steckt in einer normalen Splitanlage? Bei einem Einzelsplitgerät für einen Wohnraum liegen üblich rund 0,7 bis 1,5 Kilogramm im Kreis, bei Multisplit-Systemen deutlich mehr. Der genaue Wert steht auf dem Typenschild des Außengeräts.
Brauche ich eine jährliche Wartung? Unabhängig von der gesetzlichen Dichtheitsprüfung ist eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll: Filter, Wärmeübertrager, Kondensatablauf und Elektrik. Was dabei Pflicht ist und was Kür, steht im Beitrag zur jährlichen Klimaanlagen-Wartung.