Eine Zirkulationspumpe hält Warmwasser in einer Ringleitung in Bewegung, damit an der Zapfstelle sofort warmes Wasser ansteht und das Wasser in den Leitungen nicht abkühlt. Sie löst damit zwei Probleme auf einmal: den Komfortverlust durch langes Vorlaufenlassen und das hygienische Risiko, das stehendes lauwarmes Trinkwasser mit sich bringt.
Die Kehrseite ist der Energieverlust. Eine Zirkulationsleitung ist eine dauerhaft warme Leitung durch das ganze Gebäude. Wie groß die Verluste ausfallen, entscheidet sich an drei Stellschrauben: Dämmung, Laufzeit und der richtigen Pumpe.
Ab wann eine Zirkulation überhaupt nötig ist
Die technische Grenze zieht die DIN 1988-200 mit der sogenannten 3-Liter-Regel. Enthält die Leitung zwischen dem Trinkwassererwärmer und der entferntesten Entnahmestelle mehr als 3 Liter Wasser, braucht die Anlage eine Zirkulationsleitung oder eine elektrische Begleitheizung.
Drei Liter klingen nach viel, sind es aber nicht. Eine Kupferleitung DN 20 fasst rund 0,3 Liter je Meter - nach zehn Metern ist die Grenze erreicht. Im kompakten Einfamilienhaus mit kurzem Weg vom Speicher zum Bad liegt man oft darunter. Sobald der Trinkwasserspeicher im Keller steht und das Bad im Dachgeschoss liegt, ist die Zirkulation gesetzt.
Bei der Planung zählt der tatsächliche Leitungsinhalt, nicht die Luftlinie. Rohrmaterial, Nennweite und Verlegeweg gehen in die Rechnung ein. Passendes Material für die Ausführung findest Du unter Fittings.
Großanlage oder nicht: die Schwelle des DVGW W 551
Für die Hygiene ist die Einstufung nach DVGW-Arbeitsblatt W 551 entscheidend. Als Großanlage gilt eine Trinkwassererwärmung, wenn der Speicher mehr als 400 Liter Inhalt hat oder wenn in einer Rohrleitung zwischen Erwärmer und Entnahmestelle mehr als 3 Liter stehen. Ein üblicher 300-Liter-Speicher im Einfamilienhaus mit kurzen Wegen fällt nicht darunter.
Für Großanlagen gelten feste Temperaturen. Das Wasser muss den Speicher mit mindestens 60 °C verlassen, und der Zirkulationsrücklauf darf höchstens 5 Kelvin darunter liegen - also nicht unter 55 °C. Genau in diesem Bereich vermehren sich Legionellen nicht mehr nennenswert.
Kommt Trinkwasser in einer Großanlage gewerblich oder öffentlich zur Abgabe, etwa in einem Mietshaus, verlangt die Trinkwasserverordnung zusätzlich eine regelmäßige Untersuchung auf Legionellen. Der technische Maßnahmenwert liegt bei 100 KBE je 100 Milliliter. Wird er überschritten, folgt eine Gefährdungsanalyse.
Laufzeit: sparen ja, abschalten nein
Die Pumpe rund um die Uhr laufen zu lassen ist selten nötig. Das DVGW-Arbeitsblatt W 551 lässt für Großanlagen eine Unterbrechung von maximal 8 Stunden je Tag zu. Praktisch heißt das: nachts abschalten ist zulässig, den ganzen Arbeitstag über ebenfalls - aber nicht beides zusammen.
Umgesetzt wird das mit einer Brauchwasserpumpe mit integrierter Zeitschaltuhr, die die Freigabezeiten direkt am Gerät abbildet. Wer die Zeiten lieber zentral fährt, bindet die Freigabe über die Regelung der Wärmeerzeugung ein.
Die zweite Stufe ist die Temperaturführung. Eine Zirkulationspumpe mit Regelthermostat läuft nur so lange, bis die eingestellte Rücklauftemperatur erreicht ist, und schaltet dann ab. Das reduziert die Betriebsstunden deutlich, ohne die Leitung auskühlen zu lassen. Wichtig ist, dass die eingestellte Schalttemperatur zu den Hygieneanforderungen der Anlage passt und nicht darunter liegt.
Dämmung ist der größere Hebel als die Pumpe
Der Stromverbrauch einer modernen Zirkulationspumpe liegt im einstelligen Wattbereich. Die eigentlichen Verluste entstehen als Wärme, die aus der dauerhaft warmen Leitung in Schächte, Decken und unbeheizte Kellerräume abwandert.
Das Gebäudeenergiegesetz behandelt Zirkulationsleitungen deshalb wie Warmwasserleitungen: Sie sind vollständig zu dämmen, in unbeheizten Bereichen ohne Ausnahme. Welche Dämmdicke wo gilt, steht im Beitrag Rohrdämmung nach GEG.
In der Praxis scheitert die Dämmung fast immer an denselben Stellen: an Rohrbögen, an Schellen mit direktem Metallkontakt, an Durchführungen und an Armaturen, die schlicht offen bleiben. Eine ungedämmte Verschraubung gibt so viel Wärme ab wie ein halber Meter gedämmtes Rohr.
Die richtige Pumpe auswählen
Für Trinkwasser gelten andere Anforderungen als im Heizkreis. Eine Trinkwasser-Zirkulationspumpe muss aus korrosionsbeständigem Werkstoff bestehen, üblicherweise Rotguss oder Edelstahl. Eine gewöhnliche Heizungspumpe aus Grauguss gehört nicht in die Trinkwasserinstallation - sie rostet und ist dafür nicht zugelassen.
Bei der Auslegung geht es nicht um große Fördermengen, sondern um den Druckverlust im Ring. Der Volumenstrom ergibt sich aus den Wärmeverlusten der Leitung, die Förderhöhe aus Länge, Nennweite und Armaturen. Zu groß gewählte Pumpen erzeugen Strömungsgeräusche und erhöhen die Auskühlung, weil sie das Wasser zu schnell umwälzen. Eine Übersicht passender Geräte gibt es unter Trinkwasserpumpen.
In größeren Ringen mit mehreren Strängen kommt der hydraulische Abgleich der Zirkulation dazu. Ohne Strangregulierventile fließt das Wasser bevorzugt durch den kürzesten Strang, während der entfernte Strang auskühlt - trotz laufender Pumpe. Material und Armaturen dafür finden sich in der Trinkwasserinstallation.
Häufige Fragen zur Warmwasser-Zirkulation
Darf ich die Zirkulation nachts komplett abschalten? Bei einer Großanlage nach DVGW W 551 sind maximal 8 Stunden Unterbrechung je Tag zulässig. Bei einer Kleinanlage im Einfamilienhaus gibt es diese Vorgabe nicht - hygienisch sinnvoll bleibt es trotzdem, die Leitung nicht dauerhaft im lauwarmen Bereich stehen zu lassen.
Reicht eine Begleitheizung statt Zirkulation? Technisch ist sie zulässig und bei kurzen Einzelsträngen manchmal die einfachere Lösung. Sie verbraucht allerdings direkten Strom zur Wärmeerzeugung und ist bei längeren Leitungen meist teurer im Betrieb als eine gedämmte Zirkulation.
Wie oft muss auf Legionellen untersucht werden? Die Pflicht trifft Großanlagen mit gewerblicher oder öffentlicher Abgabe von Trinkwasser. Die Untersuchungsintervalle richten sich nach der Nutzungsart und werden vom Gesundheitsamt beziehungsweise über die Trinkwasserverordnung vorgegeben. Im selbst genutzten Einfamilienhaus besteht keine Untersuchungspflicht.
Kann ich das Warmwasser mit PV-Überschuss aufheizen? Ja, und die Zirkulation profitiert davon, weil die Speichertemperatur tagsüber ohnehin gehalten wird. Welche Variante sich rechnet, vergleicht der Beitrag PV-Überschuss für Warmwasser.